Gürleyen vs. Abiama
Es war für mich einer DER Szenen im Heimspiel gegen 1860 München Ende April diesen Jahres: In der Schlussphase drehte Mittelstürmer Abiama zum letzten Sturmlauf auf und versuchte mit seiner unbändigen Geschwindigkeit und Physis an unseren türkischstämmigen Abwehrchef vorbeizukommen. Doch da war nichts zu machen. Gürleyen war dicht am Gegenspieler dran, ließ ihn nicht zu Atem kommen und drängte ihn schließlich vor dem Tor der Nordtribüne ab – Abstoß! Anschließend bekam der Münchener Löwe noch ein paar nette und gepflegte Worte vom Innenverteidiger gesteckt, der dabei stets wie ein Butler die Hände hinter seinen Rücken versteckt hielt. Alles fair. Ein paar Emotionen. Eine klasse Aktion! Und das ganze Stadion kochte!
Er köpft alles weg
Genau solche Aktionen zeigen, warum Gürleyen neben Schuster zu den absoluten Garanten in der Saison 24/25 gehörte. Zwei Neuzugänge, die aber mal sowas von eingeschlagen sind. Ahmets Tor gegen Aue kurz vor Abpfiff des Spiels unterstrich dabei nicht nur seine stark ausgeprägte Physis und Zweikampfstärke, sondern auch die Gefährlichkeit mit dem Kopf. Überhaupt köpfte der 26-Jährige gefühlt alle gegnerischen Halbfeldflanken weg, die gefährlich werden konnten. Man kann es nicht anders sagen: Gürleyen ist für die Mannschaft in der letzten Spielzeit der vielzitierte Fels in der Brandung gewesen. Und da ist in der aktuellen Transferphase noch ein weiterer dazugekommen.
Mit dem erfahrenen Neuzugang Carstens, der vom Ligakonkurrenten Wiesbaden gekommen ist, wäre aktuell die Innenverteidigung, rein von den Namen und Leistungsdaten her, ein absolutes Brett. Die große Frage ist, ob das Duo in dieser Konstellation in der kommenden Saison zusammenspielen wird. Vor ein paar Monaten hielten sich die Gerüchte hartnäckig, dass es Ahmet nach England ziehen würde. Der frischgebackene Aufsteiger AFC Sunderland war (?) u. a. an ihm interessiert. Zuletzt war es wohl der italienische Zweitligaklub Frosinone Calcio, der die Fühler ausgestreckt hat. Doch laut transfermarkt.de ist die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels zu Calcio auf 21% gesunken – Tendenz weiter nach unten. Allerdings ist das Transferfenster noch bis zum 1. September geöffnet. Es bleibt also noch genug Zeit für eventuelle Veränderungen innerhalb des Teams.
Positive Signale seinerseits
Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass der ehemalige Nürnberger hier in Rostock bleiben wird. Gürleyen betonte immer mal wieder, sei es über Hansa-TV oder anderen Kanälen, dass er sich in der Hansestadt pudelwohl fühle und er die Stimmung und den Support, insbesondere im Ostseestadion, einzigartig finde. Er hat sich hier zudem ein gewisses Standing erarbeitet und sich zum unangefochtenen Abwehrchef etablieren können. Aus diesem Grund war er in der letzten Saison aus der Startelf nicht mehr wegzudenken. Er kennt die deutschen Ligen aufgrund seiner Vergangenheit in Nürnberg und Wiesbaden mittlerweile sehr gut und weiß, worauf es ankommt. Ein Wechsel in eine andere Liga würde für ihn aus meiner Sicht unnötig große Umstellung zum jetzigen Zeitpunkt bedeuten, die er aktuell eigentlich nicht nötig hat. Sollte der Erfolg unter Brinkmann in Zukunft so weitergehen, ist Gürleyens Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga nicht mehr weit entfernt. Das sollte sein großes Ziel sein, das ihn auch in der nächsten Spielzeit antreiben wird.
Und zwar mit der Kogge auf der Brust!


