Es fehlt etwas!
Kapitän Marco Schuster traf nach der unnötigen Niederlage gegen 1860 und den bereits eher erfolglosen Wochen zuvor den Nagel auf den Kopf:
„Es ist immer so: Wenn uns die Konkurrenz so ein wenig was hinlegt, schaffen wir es oft nicht, den letzten Punch zu setzen. Wenn wir unsere großen Ziele verwirklichen wollen, dann müssen wir da auf jeden Fall noch eine Schippe drauflegen. Wir müssen einfach noch mehr ‚Geilheit‘ haben, vor allem im Strafraum.“ (Quelle: BILD)
Damit hat er keinesfalls unrecht. Denn seit einigen Wochen beschleicht einen so ein bisschen das Gefühl, dass aktuell bei der Mannschaft ein wenig die Luft raus ist. Und das, obwohl die Saison mit noch 13 ausstehenden Ligaspielen längst nicht vorbei ist.
Mit nur zwei Punkten aus vier Spielen tritt man gerade eher auf der Stelle, anstatt die großen Schritte nach vorn zu meistern und ein Zeichen an die gesamte Liga zu setzen. Die nötige „Geilheit‘“ wie es Schusti passend benennt, fehlt momentan, um die Spiele in die richtige Richtung zu lenken. Zur Wahrheit gehört dabei auch, dass einfach zu viele Fehlpässe (auch auf kurzer Distanz) gespielt werden, wodurch der Gegner unnötig stark gemacht wird.
Untypische Spielverläufe
Darüber hinaus sorgen aktuell Spielverläufe, die für die Kogge für lange Zeit eher untypisch waren, für mächtig Verwunderung: Während man beispielsweise im Ostseestadion bei lausigen Temperaturen gegen Ingolstadt zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass die Kogge das Spiel in den Griff bekommt – und schlussendlich völlig verdient mit 0:3 Eisbaden ging -, verspielte man eine Woche später auswärts beim Nachwuchs aus Hoffenheim einen komfortablen 2:0-Vorsprung in den letzten 20 Minuten.
Zu diesem Ergebnis hatte zwar auch das Schiedsrichtergespann mehr oder weniger beigetragen, jedoch war der Auftritt in Hoffenheim nach dem zweiten Tor durch Holten zum Vergessen! Man bettelte förmlich um den Ausgleich, der absolut unnötig war, jedoch auch absolut verdient.
Und auch gegen Osnabrück ließ sich die Kogge gleich zwei Mal die Butter vom Brot nehmen und kassierte kurz vor Schluss nach einer Ungeschicklichkeit den abermaligen Ausgleich. Jedoch hatte sich das Unentschieden bei Weitem nicht so schmerzhaft angefühlt, wie das in Hoffenheim. Denn über weite Strecken machte Osnabrück mit ihren scharfen und geradlinig gespielten Kontern den durchaus reiferen Eindruck auf dem Rasen – insbesondere in der 2. Hälfte. Das 2:1 von Voglsammer vor der Südtribüne fiel dementsprechend so ein bisschen aus dem Nichts.
Vieles ist vorhersehbar
Die Unkonzentriertheiten einzig und allein mit dem Abgang von Naderi zu begründen, wäre schwachsinnig. Die Probleme sind hierbei wesentlich komplexer. Einer der Gründe ist auf jeden Fall, dass die Konkurrenz es mittlerweile einfach geschafft, sich gut auf die Rostocker einzustellen, in dem sie größtenteils tief stehen, auf wenig Ballbesitz pochen und anschließend auf Konter zu lauern. Das reicht momentan. Und sind wir ehrlich: Wenn diese Mittel schon reichen, um der Kogge den Wind aus den Segeln zu nehmen, sind die ersten drei Plätze aktuell auch nicht verdient.
Die Kogge muss sich schnell wieder daran erinnern, was sie in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres so stark gemacht hat: ihr unvorhersehbares Spiel, gepaart mit Dynamik und kreativen Ideen. Die Mannschaft muss jetzt ein Zeichen setzen, um die Saisonziele nicht aus den Augen zu verlieren. Ansonsten kann es ganz schnell wieder ungemütlich werden.


