Man gibt sich auf
Nein, so wird das nichts mit der Mission Klassenerhalt 2024! Mit gesenkten Köpfen gingen die Spieler, mitsamt Trainer, nach Abpfiff in die sehr gut gefüllte Gästekurve. Der Support war abermals erstklassig (die Schuhe erst recht). Aber das war auch das einzig Positive an diesem sonnigen Samstag. Aktuell frisst uns nahezu jeder Gegner auf, ohne selber viel machen zu müssen. Man hat als Hansa-Fan momentan das Gefühl, dass nach einem Rückstand sofort das Fußballspielen gänzlich eingestellt wird. Doch warum? Warum gibt man sich nach dem Traumtor von Uzun (15‘), welches aus dem kompletten Nichts gefallen ist, komplett auf, obwohl man vorher doch recht gut im Spiel war? Sind es die fehlenden Erfolgserlebnisse und der damit verbundene Glaube, das Ruder noch rumzureißen? Oder fehlt es doch an der nötigen Qualität im Kader?
Die Qualität ist doch da
Um eins gleich vorwegzunehmen: Aus meiner Sicht ist es eigentlich ein Wahnsinn, dass wir mit diesem Kader so tief unten im Keller stecken. Natürlich sind wir nicht auf jeder Position übermäßig gut besetzt, doch im Großen und Ganzen hat die Kogge genug Qualität, um in dieser Liga die meiste Zeit der Saison über dem Strich zu stehen. Sie wollen, aber können in dieser Saison einfach nicht das abrufen, wofür sie meiner Meinung nach in der Lage wären. Insbesondere in der Offensive entwickelt sich die aktuelle Spielzeit zu einer echten Farce. In Nürnberg hatte Singh nach 21 Sekunden eigentlich die einzige wirkliche Torchance – unglaublich!
Die Offensive ist nicht existent
Zudem fehlt Top-Torjäger Brumado (mir fällt es schwer, ihn als Torjäger zu bezeichnen mit vier Buden) noch rotgesperrt. Perea ist umtriebig, bleibt aber weiterhin blass. Dasselbe gilt für Pröger, der sich gerade in einer absoluten Seuchensaison befindet. Der neue Sturmtank, Guðjohnsen, muss sich noch einfinden. Was macht Ingelsson eigentlich da vorne? Und warum bekommt Güler einfach keine Einsatzmöglichkeiten? Der Torschützenkönig der Regionalliga West letzten Jahres muss sich doch langsam bescheuert vorkommen. Bei all den Testspielen scheinen die Verantwortlichen den gebürtigen Bonner anscheinend nicht zu sehen.
Die Defensive ist nicht existent
Es ist des Weiteren zum Ausrasten, wenn, hinzukommend zur offensiven Harmlosigkeit, die letzte Abwehrkette einfach aktuell nicht mitdenkt. Ich hoffe, dass die tiefstehende Sonne der Grund war, warum Rossipal den Ball direkt zu Uzun wirft, der nur kurz den Turbo zünden brauchte, um den Ball im kurzen Eck zum 2:0 zu versenken. Solche Fehler sind teilweise nicht mehr zu erklären und passieren nur Mannschaften, die ganz unten im Abstiegskampf festhängen. Auch wenn ich hier einzelne Spieler negativ hervorhebe: Es war ein Kollektivversagen. Alle müssen sich hinterfragen (die Torhüter mal außen vor). Wenn das der Anspruch von Hansa Rostock ist, dann geht es aber mal ganz schnell zurück nach Unterhaching und Viktoria Köln.
Auch beim dritten Gegentor schaut die ganze Mannschaft einfach nur zu (51‘). Sie reagiert nicht. Sie agiert nicht. Sie steht einfach nur da. Durch solche dummen Gegentore macht man sich eine komplette zweite Hälfte kaputt, da man die ersten fünf Minuten durchaus bemüht war, wenigstens für etwas Torgefahr zu sorgen.
Viel Ballbesitz, kaum Durchschlagskraft
Es sind jedoch im gesamten Spiel nur Ansätze zu erkennen gewesen. Zwar hatte man durchaus ungewöhnlich viel Ballbesitz (61%), aber wusste überhaupt nichts damit anzufangen. In den ersten Sekunden konnte man durchaus eine der Spielideen von Selimbegovic erkennen, nämlich die Seiten zu überlagern. Doch wenn danach die Mannschaft sich kollektiv hängen lässt, können auch keine weiteren gescheiten Spielzüge entstehen.
Hoffentlich hat dieser miserable Rückrundenstart einen Hallo-Wach-Effekt im gesamten Team ausgelöst. So kann es logischerweise nicht weitergehen. Verlieren ist nicht verboten. Allerdings ist die Art und Weise, wie man die Spiele angeht, gerade absolut nicht tragbar. Schon am Samstag haben die Kicker wieder die Chance, es gegen Elversberg besser zu machen!


