Ein eigenartiges Gefühl
Wenn am Sonntag zum 34. Spieltag Schiedsrichter Harm Osmers das Spiel freigeben wird, werden die ersten Sekunden sich sicherlich eigenartig auf den Rängen anfühlen. Denn zu diesem Zeitpunkt wäre es Gewissheit, dass die Rostocker nach drei mehr oder weniger erfolgreichen Zweitligasaisons wieder den Gang in die 3. Liga antreten müssten. Doch dazwischen liegen über 90 lange Minuten, die über Abgrund und vorübergehende Rettung entscheiden werden – genug Zeit also für unsere Hanseaten, um das Ruder noch rumzureißen. Die Chancen werden sich ergeben. Geduld wird demnach die oberste Prämisse sein im bisher wichtigsten Spiel der Saison. Bloß nicht in den ersten Minuten überpacen, auch wenn wir uns alle am liebsten ein sehr frühes Tor sehnlichst wünschen würden.
Ein Gegentor in der Anfangsphase wäre fatal, gerade weil die letzten Wochen für unsere Hansa-Kicker an Nackenschlägen kaum zu überbieten waren. Das Selbstvertrauen bewegt sich dementsprechend auf einem begrenzten Niveau.
Wiesbaden kann nur verlieren
Dennoch ist, meiner Meinung nach, die Ausgangssituation für die Wehener vor dem letzten Spieltag wesentlich tückischer. Zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison könnten die Wiesbadener nämlich auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen und trotzen naturgemäß ebenso nicht vor Selbstvertrauen– zum schlichtweg ungünstigsten Zeitpunkt. Nachdem die Hinrunde für die Weinroten als Aufsteiger nahezu blendend verlief und auf Platz 11 mit satten 22 Punkten beendet werden konnte, kamen in der Rückrunde nur magere zehn dazu. Dazu konnte keins der letzten neun Spiele in den letzten Wochen gewonnen werden, sodass es immer weiter in den Tabellenkeller ging. Das Ergebnis: Abstiegskampf pur, in welchem die Hanseaten in Lauerstellung liegen.
Noch ist NICHTS entschieden
Die Kogge kann wieder einmal beweisen, dass Totgesagte länger leben, da vor allem für einige Hansa-Anhänger der Abstieg schon seit Wochen feststeht. Diese Meinung kann man von mir aus vertreten, jedoch bringt es nichts, jene negative Stimmung in den sozialen Medien auf Knopfdruck zu verbreiten. Das ist nicht zielführend, sondern bringt einfach unnötig Unruhe rein, die der Verein vor dem Saisonfinale alles andere als gebrauchen kann.
Sollte es am Ende doch nicht reichen, sind wir nicht gegen Paderborn abgestiegen. Es wäre eine Summe aus vielen unglücklichen, aber auch ebenso vielen vermeidbaren Faktoren, die logischerweise für dieses Endergebnis verantwortlich wären. ‚Raus mit Applaus‘, gekoppelt mit einem Hansa-Sieg, wäre in diesem Fall noch das versöhnlichste Ende bei diesem bitteren Szenario. Aber noch ist dieser Moment längst nicht eingetreten. Noch sind wir da und atmen Zweitligaluft. Noch ist nichts verloren!
Trainer Selimbegovic hat es auf der Pressekonferenz mit einem kurzen, aber prägnanten Wortlaut zusammengefasst: „Hey, wir leben noch!“
Das gesamte Ostseestadion wird jedenfalls mal wieder für eine Gänsehaut-Stimmung sorgen. In diesem Sinne: Bis zum letzten Atemzuge werden wir miteinander gehen!


