Frenetischer Schlussakkord
Als Pröger den Ball mit unfassbar viel Entschlossenheit in die untere linke Ecke donnerte (92‘), gab es im Ostseestadion kein Halten mehr. Und auch der Rest der Mannschaft feierte den erlösenden Siegtreffer äußerst frenetisch vor der Nordtribüne. Innerhalb von Sekunden vielen tonnenschwere Lasten ab, die von der Selimbegovic-Elf erstmal rausgeschrien werden mussten. Nachdem man in Nürnberg nach dem Rückstand nahezu komplett das Offensivspiel einstellte, bewies die Kogge dieses Mal Moral und erzwang den doch äußerst glücklichen Heimsieg mit viel Willen und Kampf. Denn die Gäste aus dem Saarland waren über weite Strecken die aktivere und gefährlichere Mannschaft.
Eine Blaupause
Der Beginn des Spiels gestaltete sich wie eine Blaupause zum vorherigen Spiel im Frankenland. Die ersten zehn Minuten waren geprägt von einem guten und intensiven Anlaufen unserer Kogge, wodurch Elversberg durchaus Mühe hatte, manche Szenen vor dem Strafraum souverän zu klären. In der siebten Minute lag der Ball sogar schon Kasten der Gäste, doch Perea stand leider Gottes im Abseits. Es wäre der perfekte Start gewesen in eine Partie, die richtungsweisend für die nächsten Wochen ist. Und so drehte sich allmählich das Spielgeschehen zu Gunsten der Elversberger. Alle fünf Minuten segelte eine Ecke in den Rostocker Strafraum, die unsere Hintermannschaft jedoch gut abwehren konnte. Doch die Schnörkellosigkeit und das geradlinige Spiel des Gegners durch die Mitte und vor allem über die Außen (Rochelt war sehr auf dem linken Flügel) machte der Kogge gehörig zu schaffen.
Elversberg schnörkellos und eiskalt
In der 35. Minute wäre es dann schon beinahe passiert, doch der umtriebige Rochelt, welcher völlig frei zum Abschluss kam, traf den Ball nicht richtig, sodass das Spielgerät ins Toraus kullerte. Doch kurze Zeit später kassierte Hansa dann doch das verdiente 0:1. Dieses Mal jedoch ging es auf der rechten Seite ziemlich schnell. Vandermersch hatte viel Zeit und Platz zur Flanke, die der erfahrende Schnellbacher per Kopf eiskalt verwerten konnte. Die gesamte letzte Verteidigungslinie sah dabei gar nicht gut aus und sprang nicht richtig hoch. Ein abermals absolut vermeidbarer Gegentreffer. Doch Hansa wehrte sich nochmal vor der Pause. Allerdings scheiterte Bachmann nach einer Ecke mit dem Kopf an Kristof (42‘). Diese Chance kaschierte jedoch die durchaus maue Leistung der Rostocker in der ersten Hälfte.
Keine wirkliche Besserung (zunächst)
Und auch nach dem Pausentee wurde es nicht wirklich besser. Im Gegenteil sogar: Die Elversberger schnürten unsere Jungs am eigenen Strafraum förmlich ein. Gleich mehrere Aktionen konnten im Strafraum geradeso mit der Fußspitze notgedrungen gelöst werden. Nein, so konnte und durfte es wirklich nicht weitergehen. Die langen Bälle auf Perea und Pröger konnten ohne jegliche Mühe im Keim erstickt werden. Viel Konstruktiveres hatten die Fans bisher nicht zu Gesicht bekommen. Und auch Selimbegovic wurde an der Seitenlinie immer unzufriedener. Selbst ein Standard aus aussichtsreicher Position sorgte nicht für den nötigen Befreiungsschlag. Kristof konnte den Freistoß von Rossipal am kurzen Pfosten aus der Gefahrenzone boxen.
Doch Hansa ‚gewöhnte‘ sich immer mehr an die permanenten Nadelstiche der in Schwarz spielenden Gäste. Nach einem weiten Einwurf von Lang verlängerte Hüsing den Ball per Kopf zu Dressel, der direkt abzog und Kristof, der noch mit der Pranke dran war, überwand. Ausgleich! Und die Hoffnung auf Besserung war auf einmal da. Selimbegovic reagierte mit einem Dreierwechsel, um für Dynamik zu sorgen. Doch für Dynamik sorgten wieder die quirligen Elversberger, doch Feils Abschluss kullerte knapp am zweiten Pfosten vorbei.
Im Keller brennt noch Licht
Keine zwei Minuten später erhob sich das ganze Ostseestadion für unseren Neuzugang, den Isländer Gudjohnsen, der in der 81. Minute sein Debüt für die Kogge gab. Hansa versuchte es derweil wieder mit langen Bällen. Und tatsächlich fruchtete dies kurz vor Schluss, als der Torhüter den Ball nicht richtig festhalten konnte, sodass Chaos im Elversberger Strafraum entstand und der Ball im Gewühl von dem am Boden liegenden Jäkel mit der Hand abgewehrt wurde. Elfmeter und zugleich die rote Karte für den Abwehrspieler. Riesenjubel im gesamten Rund! Der Rest ist bereits bekannt.

Die drei Punkte waren enorm wichtig für das Selbstvertrauen der Kogge. Endlich gab es wieder ein Erfolgserlebnis, wodurch zugleich auch die Tormisere zu Ende ging. Auswärts gegen Hannover am kommenden Sonntag braucht es allerdings eine deutliche Leistungssteigerung, wenn man weitere drei Punkte gegen den Abstieg einfahren möchte. Doch jetzt genießen wir erstmal den Moment!

