Wie Hansa die Rechtsverteidiger-Position neu besetzten kann?
Strauß und Neidhart – Frage der Qualität und Verfügbarkeit
Doch nicht nur die reine Verfügbarkeit schien problematisch – auch erhofft man sich wohl ein qualitatives Upgrade. Nico Neidhart, der die rechte Außenbahn beim FCH seit Jahren beackert, spielte eine eher verhaltene Vorrunde. Der 29-jährige zeigte kaum offensiven Output, gehörte bei erwarteten Torvorlagen zu den schlechtesten 24% der Next-14-Competitions (Anm.Red: Vergleich zu allen Rechtsverteidigern der MLS, Championship, Allsvenskan, 2.Bundesliga usw.). Seine Passquote liegt bei mageren 60%. Dies ist auch den taktischen Anweisungen des Alois Schwartz zuzuschreiben, der die Außenverteidiger anwies, lange Bälle hinter die Kette zu schlagen. Dieser Wert ist dennoch enttäuschend (schlechteste 3% im Vergleich). Defensiv hingegen war Neidhart in Ordnung, zudem spielte er relativ viele raumkreierende Pässe. Von einer guten Hinserie war der gebürtige Flensburger dennoch weit entfernt.
John-Patrick Strauß erarbeitete sich zu Saisonbeginn überraschend den Stammplatz auf rechts – auch aufgrund von Verletzungen der eingeplanten Innenverteidiger und Neidharts Einspringen auf eben jener Position. Der deutsch-filipino spielte eine gute Vorbereitung und überzeugte auch zum Ligastart. Auch statistisch gesehen, war er eine klare Bereicherung. Strauß kreierte viele Chancen, hatte in der Offensive ordentlichen Impact. Beim Spiel gegen die Hertha verletzte sich der 27-jährige jedoch und laboriert wohl immer noch an der sich dort zugezogenen Wadenverletzung. Zudem lief er zumeist als rechter Schienenspieler der Fünferkette auf. Als Hansa umstellte, agierte Strauß zweimal im Mittelfeld.
Die Kogge sucht eine neue Nummer Eins für die RV
Um den Klassenerhalt zu sichern und die Ostseestädter in eine erfolgreiche Rückrunde zu führen, benötigt Trainer Selimbegovic wohl Verstärkungen. Dementsprechend brauchen wir einen rechten Verteidiger, der sowohl defensive als auch offensive Qualitäten vorweist und zudem nicht so teuer ist. In unserem Scoutingprozess haben wir uns dazu entschieden, vor allem auf Spieler zu setzen, welche bei ihren Vereinen außen vor sind und dementsprechend Abgangskandidat sind oder sein können.
Kandidat Nr.1: Marco Meyerhöfer
Der 28-jährige Marco Meyerhöfer ist bei der SpVgg Fürth nur zweite Wahl. Auf seiner angestammten rechten Seite sieht er gegen Simon Asta keinen Stich. In dieser Saison sammelte er lediglich 8 Einsätze in Liga Zwei, agierte dabei jedoch auf Links. In der Fürther Aufstiegssaison 2020/21 war er essenzieller Bestandteil der Mannschaft von Trainer Stefan Leitl. Als Rechtsverteidiger absolvierte er 33 Ligaspiele und sammelte neun Assist. In den folgenden Jahren bremsten ihn Verletzungsprobleme. Meyerhöfer ist technisch stark, kann präzise Flanken und Hereingaben schlagen und somit einen positiven Einfluss auf das Offensivspiel haben. Auch defensiv ist er solide. Bei den Kleeblättern kommt er nicht wirklich auf Kurs, vielleicht hilft ein Tapetenwechsel. Zumal die mit Haddadi, Calhanoglu, Gießelmann, Asta und Mhamdi beidseitig gut aufgestellt sind.
Kandidat Nr.2: Frank Ronstadt
Frank Ronstadt steht aktuell bei Darmstadt 98 unter Vertrag und wurde in der Jugend des Hamburger SV ausgebildet. Der 26-jährige absolvierte in dieser Saison jedoch nur vier Spiele über insgesamt 73 Minuten – in Darmstadt kommt er nicht über die Joker-Rolle hinaus. Er ist in jedem Fall ein solider bis guter Zweitliga-Spieler, der seine Sporen in Würzburg und Darmstadt verdiente. Er ist zwar kein offensiver Motor wie Meyerhöfer, der viel über Passspiel und Kreativität kreiert, lieferte aber solide Leistungen im Angriffsspiel. Defensiv ist er zudem eine gute Option, er entscheidet viele Duelle für sich. Er ist technisch gut ausgebildet und gilt als Spieler mit Potential nach oben. Vielleicht kann er dieses am Ostseestrand abrufen?
Kandidat Nr.3: Kilian Fischer
Der 23-jährige Kilian Fischer gilt immer noch als großes Talent mit Bundesliga-Potential. Einst zahlte der VfL Wolfsburg 2,5 Millionen Euro für den Rechtsverteidiger, der auch im zentralen Mittelfeld spielen kann. In diesem Jahr spielte er keine einzige Minute. Trotz zwischenzeitlichem Ausfall wegen einer Knie-OP stand er sieben Mal im Kader, ohne jedoch eingewechselt zu werden. Fischer ist ein schneller und robuster Außenverteidiger, dessen technisches Niveau sehr hoch ist. Der aus der 1860-Jungend stammende ehemalige U21-Nationalspieler hat klare Stärken in der Offensive. In Wolfsburg kann er sich nicht durchsetzen, unter Trainer Niko Kovac ist er nicht gefragt. Ein Wechsel in Liga Zwei scheint perfekt, um Spielpraxis zu sammeln. Ein Transfer wäre jedoch teuer – die Wölfe verlangen garantiert eine Ablöse und Fischer im Zweifel wohl relativ viel Gehalt. Eventuell scheint eine Leihe mit oder ohne Kaufoption im ersten Moment realistischer. In jedem Fall wäre ein junger und talentierter Akteur mit Potential nach oben eine geile Option.
Wen wird Hansa schlussendlich präsentieren?
Der Markt auf der Rechtsverteidiger-Position ist nicht ganz einfach. Viele Akteure sind gesetzt oder zumindest als Kaderspieler essenziell – sie aus ihren Verträgen loszueisen, wäre schlichtweg zu teuer. Die einzige Möglichkeit, die besteht, sind diese Spieler auf dem Abstellgleis oder Akteure aus Ligen wie der Allsvenskan und der MLS, deren Verträge zum 1.1.2024 auslaufen. Hansa und die sportliche Leitung um Sportdirektor Kristin Walter müssen kreativ werden. Wir bleiben gespannt, wie sich die Suche in den nächsten Wochen entwickelt.


