Analyse: Eintracht Braunschweig – FC Hansa Rostock 0:1 (0:0)
Die 0:3-Heimniederlage war ein absoluter Stimmungskiller im Lager der Hansa-Fans. Nicht wenige glaubten, dass sich die Formschwäche der Mannschaft fortsetzt und das Team in Braunschweig untergeht. Trainer Mersad Selimbegovic, dessen Matchplan in der vorherigen Woche völlig floppte, fand jedoch die richtige Ansprache und Idee gegen Braunschweiger Löwen, die sich in ihrem 5-3-2 passiv zurückfallen lassen und auf Konter lauern. Von Minute Eins an war Hansa überlegen und besser im Spiel.
Der perfekte taktische Ansatz
Mit Dressel und Rhein bot Selimbegovic eine spielstarke Doppelsechs auf. Diese zogen die Fäden im Mittelfeld und bewiesen immer wieder das gute Auge und die nötige Ruhe am Ball. Entsprechend setzte man kaum auf lange Schläge und ersetzte diese durch überragende Vertikalbälle. Die Braunschweiger Passivität im Pressing kam der Kogge hier zu Gute: oftmals blieb man im Spielaufbau beinahe ungestört.
Im 2-3 konnte man so beharrlich die Struktur aufbauen. Ein Innenverteidiger, zumeist Jasper van der Werff, besetzte die rechte Seite, Dressel rückte auf Links und Rhein blieb auf der Sechs. Die Außenverteidiger Neidhart und Schumacher rückten weit nach vorne und boten sich auf dem Flügel an, sodass Ingelsson und Pröger sich im Zentrum anbieten konnten. Sie lauerten permanent an der Abseitskante und boten gute Tiefenläufe an. Die Braunschweiger Defensive trat in diesem Spiel eher zahnlos auf, das gesamte Team wirkte mental überfordert. Währenddessen ließ Selimbegovic Worte Taten folgen und fand elf Krieger, die auf dem Feld alles gegeben haben.
Ausbaufähige Chancenverwertung
Die Hansestädter waren die überlegene Mannschaft, dennoch verpasste man es, in der ersten Halbzeit vorzulegen. Bereits nach 90 Sekunden hatte Hansa die erste Halbchance durch Pröger, dessen zentraler Abschluss aus der zweiten Reihe übers Tor geht. Die erste größere Gelegenheit verzeichnete Ingelsson, welcher links in den Strafraum zog und aus spitzem Winkel das Tor verfehlte (9‘).
Auch Roßbach (22‘) und Brumado (18‘) kamen zu kleineren Chancen, allerdings fehlte die Präzision. Die Rückraumbesetzung in der Defensive bleibt weiterhin ein großes Thema. In Minute 26 kommt Ivanov nach einem Decarli-Kopfball relativ frei zum Abschluss. Hier hatte die Kogge erneut viel Raum rund um die Strafraumgrenze gelassen. Dieses Problem zieht sich durch die gesamte Spielzeit und erklärt in Teilen die Anfälligkeit nach Standardsituationen.
Hansas größte Torgelegenheit liegt auf Ingelssons Fuß, der nach einem starken Lauf links im Strafraum zum Abschluss kommt und das Leder an die Latte bugsiert (29‘). Der Schwede, für unsere Redaktion Spieler des Spiels, zockte überragend, scheint aber vom Pech verfolgt.
Kogge ringt Löwen nieder
In Halbzweit Zwei zeichnet sich ein ähnliches Bild – Hansa ist die bessere Mannschaft. Brumado bricht in Minute 54 durch, schiebt das Leder allerdings links am Kasten vorbei. Die Eintracht hingegen kommt durch Ujah zu Chancen, wird dabei allerdings kaum gefährlich (55‘; 66‘).
Im zweiten Spielabschnitt belohnen die Ostseestädter sich endlich für einen couragierten Auftritt. Pröger setzt sich überragend durch und erhält nach Zusammenspiel mit Neidhart den Ball auf den rechten Flügeln. Seine Flanke auf den langen Pfosten findet Schumacher, der überragend einköpft. Sein Gegenspieler Rittmüller springt nicht einmal hoch (72‘).
In der Folge drückt Braunschweig auf dem Ausgleich. Lucoqui taucht zwei Minuten später frei an der Sechzehnerkante auf, zeigt im Duell mit Kolke Nerven und schiebt die Kugel am Kasten vorbei (74‘). Die Eintracht drückt in den nächsten Minuten, bleibt allerdings zu harmlos. Hansa bringt den Vorsprung über die Zeit und gewinnt verdient mit 1:0 – in allen Schlüsselmetriken war die Kogge den Löwen überlegen.
Der Zukunft zugewandt
Dieser Auftritt macht Mut und spendet Hoffnung. Endlich hat die Mannschaft wieder einen direkten Konkurrenten geschlagen. In der nächsten Woche trifft man auf die SpVgg Fürth, die in dieser Rückrunde einige Probleme zeigen, aber dennoch der haushohe Favorit sind. Kommt ins Ostseestadion und unterstützt die Mannschaft!


