Analyse: FC Hansa Rostock – 1.FC Kaiserslautern 0:3
Egal, ob DFB-Pokal gegen den 1.FC Nürnberg, die Führung gegen den KSC, das Spiel im Ostseestadion gegen Schalke 04 oder die beiden Partien gegen die direkte Konkurrenz aus Osnabrück und Kaiserslautern. Dieses Team ist offenbar nicht fähig, in den entscheidenden Momenten Bestleistung zu bringen und hat sportlich leider nichts anderes als diesen 17.Platz verdient. Auch statistisch sind wir in einem Segment angekommen, in dem Hansa die wenigsten erwarteten Tore und die meisten erwarteten Gegentore hat. Die Leistung ist extrem enttäuschend, einige Spieler zeigen deutlich höheres Potential, welches sie allerdings nur in seltenen Momenten abrufen. Das war von der Einstellung der Mannschaft durch das Trainerteam bis zur Bereitschaft des Teams für Kampf und Leidenschaft eine Nullleistung. All die guten Ansätze aus den Partien gegen den Hamburger SV und die Fortuna aus Düsseldorf waren verflogen.
Selimbegovics Plan scheitert komplett
Hansa hat dem 1.FC Kaiserslautern die drei Punkte geschenkt. Der taktische Ansatz ist der Kogge komplett um die Ohren geflogen. Und das war schon in den ersten Minuten abzusehen. Auf der PK führte Selimbegovic aus, dass er offensive Wucht kreieren wollte, in dem er sechs Offensivspieler aufbietet. Dabei stellte er eine Mannschaft auf, die keineswegs fähig war, den Ball geordnet nach vorne zu tragen. Lautern presste klug und lenkt den Ball im Aufbau auf die Seite von Roßbach und Schumacher – beide sind am Ball auf Niveau der 2.Bundesliga absolut limitiert und haben ihre Stärken in anderen Segmenten des Spiels. Von dort schlug Roßbach meist ziellose lange Bälle.
Realtaktisch agierte man hierbei in einem 3-3-4. Im Zentrum verblieb nur Dressel, vier Akteure klebten an der Abseitskante. Funkel beorderte seine Kette nach hinten und das gewollte vertikale Spiel verpuffte. So schlug über die gesamte Dauer der ersten Hälfte wirkungslose lange Bälle, um einen Raum hinter der Kette zu bespielen, den der 1.FC Kaiserslautern von Minute Eins an konsequent überragend verteidigte. Offensiv ging so wenig, dass die Kogge mit einem xG von 0 in die Pause ging. Auch das Pressingverhalten war ausbaufähig, wirkte phasenweise unstrukturiert und passiv.

An dieser Stelle wäre In-Game-Coaching gefragt, Selimbegovic hielt allerdings in Halbzeit Eins an seiner Ordnung fest. Spätestens, nachdem Lautern einen Treffer nachlegt, der einkassiert wird und Hüsing den Ball im Zentrum verliert und den roten Teufeln eine weitere riesige Chance ermöglicht, muss man als Trainer reagieren. Kaiserslautern hat in der ersten halben Stunde 65% der Zweikämpfe gewonnen. Hansa hatte ein nicht-existierendes Zentrum, Dennis Dressel, der dort alleine gelassen wurde, kann einem leidtun. Die Flügelverteidiger bewiesen mal wieder Schwächen im defensiven Stellungsspiel. Auch die Qualität der Flanken war mal wieder unterirdisch. Das Spiel war vorbei, als Hüsing Redondo ohne Not wegflexte. In Unterzahl bewies man wieder, wie schwach die defensive Zuordnung ist. Immer wieder erspielten sich die Jungs vom Betzenberg riesige Gelegenheiten und tauchten frei in Abschlussposition auf. Ohne Kolke geht man in diesem Spiel 6:0 baden – und das wäre der sportlichen Leistung entsprechend.
Hansa Rostock bleibt – egal, was passiert!
Kaiserslautern stellt übrigens die schlechteste Defensive der Liga und hatte in dieser Zweitliga-Spielzeit kein einziges Mal zu Null gespielt. Unter dem Strich findet man einen schwarzen Tag in der Geschichte von Hansa Rostock. Die Unzufriedenheit der Fans ist das Folgeprodukt einer komplett verkorksten Saison. Dennoch ist es nicht in Ordnung, Spieler und Funktionäre verbal wie körperlich zu attackieren. Kritik ist Pflicht, die sollte sich allerdings gegen die sportliche Leistung und die Fußballperson richten. Es kann nicht sein, dass man Spielern droht oder gewalttätig wird. Durch Angst wird niemand besser, Angst ist ein hemmender Faktor.
Wie sollen wir mit dieser sportlichen Situation verfahren? Ganz ehrlich, wir sind enttäuscht und angefressen. Ich persönlich habe die Schnauze voll. Aber ich liebe Hansa. Völlig egal, wie die Saison weiterläuft, werde ich die Spiele anschauen und unterstützen. Der Verein ist größer und wichtiger, als jeder der für ein paar Jahre das Trikot trägt. Es nützt zudem niemanden etwas, in der Ferne oder im heimischen Stadion zu randalieren. Am Ende ist es doch so: Egal, wie diese Spielzeit endet, es kommen wieder andere Zeiten. Egal, ob wir im nächsten in der 3.Liga spielen, Hansa bleibt Hansa und wir bleiben für Hansa da! In diesem Sinne Alles für den FCH und Ahu!


