Mit erfrischendem Fußball zurück in die Erfolgsspur
Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich Daniel Brinkmann bei seiner ersten großen Trainerstation in Rostock eingelebt und die Kogge wieder auf einen stabilen Kurs gebracht hat. Der frische UEFA-Pro-Lizenz-Trainer, der zuvor die Regionalmannschaften Wiedenbrück und die Zweitvertretung von Paderborn trainieren durfte, passt einfach mit seinem modernen Power-Fußball wie angegossen hier an die Ostsee. Aber auch auf menschlicher Ebene ist Daniel Brinkmann ein absoluter Gewinn für den gesamten Verein.
An den schwierigen und doch sehr enttäuschenden Start zu Beginn der Hinrunde, wo Hansa nach elf Spieltagen lediglich zehn Punkte auf dem Konto hatte und als Zweitligaabsteiger zwischenzeitlich auf dem drittletzten Tabellenplatz zurückgefallen war, erinnert sich scheinbar kaum noch jemand. Das ist auch gut so! Ruft man sich dennoch diese schwierige Zeit zurück ins Gedächtnis und sieht die nackten Horrorzahlen, gepaart mit den unglücklichen Spielszenerien, wird einem erstmal bewusst, aus welcher Misere die Kogge eigentlich gezogen worden ist – dem Co-Trainerduo Rabenhorst/Pesch und vor allem Brinkmann sei Dank, die im Übrigen hervorragend miteinander zu harmonieren scheinen.
Authentisch, sachlich, gut
Alleine unter Brinkmanns Regie konnte Hansa satte 19 Punkte einfahren und hat sich mittlerweile längst von den Abstiegsplätzen weit entfernen können. Von der Auftaktniederlage in Verl (0:1) ließ sich die Mannschaft und das neu aufgestellte Trainerteam alles andere als beirren. Diese positive Entwicklung ist innerhalb der Liga nicht unbemerkt geblieben. Gerade erst am Samstag bekam der ehemalige zentrale Mittelfeldspieler aus Detmold sehr viel Lob von Olaf Janßen, dem Trainer der Viktoria, zu hören, der insbesondere seine Authentizität und seinen Ehrgeiz hervorhob.
Diese Authentizität merken auch die Spieler, die Brinkmann mit klaren und ehrlichen Ansagen nicht nur im Training, sondern auch auf den Pressekonferenzen regelmäßig abholt. Er beschönigt nichts, dramatisiert nicht unnötig und ist absolut kein Phrasendrescher. Sein ruhiges und sachliches Auftreten bestätigt zudem den Eindruck, dass er stets einen klaren Plan verfolgt, den er von Spiel zu Spiel fokussiert angeht – genau das, was ein großer Verein braucht, um zumindest so gut wie geräusch- und komplikationslos im sportlichen Bereich agieren zu können. All das gleicht hier schon fast einer vorbildlichen Zeugnisbewertung eines Vorzeigeschülers. Doch meiner Meinung nach ist davon nichts übertrieben oder überbewertet, sondern ist der aktuelle Status quo nach etwa 100 Tagen. Dass er im Übrigen noch nicht so viel Erfahrung als Trainer bei anderen größeren Vereinen mitbringt, ist ebenso ein Segen für die Kogge: Er ist ‚unverbraucht‘, hat Lust auf neue Erfahrungen und Methoden und kann dementsprechend seine Arbeit mit einem freieren Kopf angehen.
In Rostock hat Brinkmann es geschafft, endlich eine erfrischende Spielphilosophie zu etablieren, nach der wir uns schon so lange gesehnt haben. Und auch wenn noch nicht alles klappt und die eine oder andere Chance noch liegengelassen wird, bin ich der festen Überzeugung, dass unter seiner Handschrift noch Großes möglich ist. Der Start ist ihm auf jeden Fall gänzlich geglückt.


