Er ist und bleibt ein Feuerwehrmann
Bei der Vertragsverlängerung, welche kurz vor Anpfiff des letzten Spieltags der vergangenen Saison verkündet wurde, versicherte Alois Schwartz noch, dass man sich nach dem Klassenerhalt nun endgültig stabilisieren und damit eine möglichst sorgenfreie Saison spielen werde. Diese Hoffnungen wurden nun spätestens nach dem 16. Spieltag der aktuellen Spielzeit vollends begraben. Wieder einmal ist die Kogge auf Trainersuche, weil man letztendlich mit Schwartz ein (viel) zu hohes Risiko eingegangen ist. Als leidenschaftlicher ‚Feuerwehrmann‘ konnte sich der Schwabe eindrucksvoll in die Hansa-Historie verewigen. Doch für mehr reichte es schlicht und ergreifend einfach nicht. Die spielerische Weiterentwicklung ist mittlerweile in weite Ferne gerückt. Stattdessen läuft die Kogge Gefahr, die Orientierung im unruhigen Gewässer der 2. Liga abermals vollends zu verlieren.
Der Schein trog
Nachbetrachtet muss man festhalten, dass die Verantwortlichen von der eindrucksvollen Siegesserie (fünf Siege aus sechs Spielen) zum Abschluss der vergangenen Saison geblendet wurden. Zwar konnte dadurch der Klassenerhalt tatsächlich sogar noch souverän erreicht werden, allerdings war die Spielweise über weite Strecken bieder und aus einem sehr einfachen Konstrukt gestrickt. Das war zu diesem Zeitpunkt allerdings völlig egal. Man musste punkten, egal wie. Doch viel hatte sich unter der Regie von Schwartz auch bis in den tiefen Herbst und auch im Dezember hinein nicht geändert. Die Spielweise: eine Blaupause vom diesjährigen Sommer. Und diese Feststellung ist besonders bedenklich, da Sportchef Kristian Walter auf dem Transfermarkt vor allem spielerische und kreative Jungs an die Ostsee lotsen konnte.
Alois Schwartz konnte mit Spielern wie Vasiliadis, Singh und Co. bedauerlicherweise nicht sonderlich viel anfangen und ihre Stärken noch nicht mal im Ansatz herauskitzeln. Sie passten nicht wirklich in sein Spielsystem und bekamen einfach zu wenig Spielzeit – insbesondere Singh.

Glückliche Siege, kaum Souveränität
Viele Hansa-Fans trauten demensprechend dem Braten nicht, als Hansa plötzlich nach vier Spieltagen auf Platz 2 der Tabelle rangierte – und das völlig zurecht. Die drei Siege zu Saisonbeginn (Nürnberg, Elversberg, Osnabrück) waren alles andere als fulminante Auftritte. Vor allem gegen Elversberg und Osnabrück quälte man sich lange Zeit und spielte teils plan- und kopflos. Bei den Saarländern konnte man dank der üppig gegebenen Nachspielzeit des Schiedsrichters überhaupt noch zu einem fulminanten Schlussspurt ansetzen. Auch gegen Braunschweig, wo die Mannschaft mit Müh und Not irgendwie drei Punkte im Ostseestadion behielt, konnte man alles andere als überzeugen. Das größtenteils leicht zu durschauende Spielsystem von Schwartz führte wesentlich dazu, dass die bisherigen Gegner mit teils simpelsten Mitteln die konterlastigen Nadelstiche der Kogge abfedern und im direkten Gegenzug problemlos zum Gegenschlag ausholen konnten.
Katastrophale Standards
Insbesondere bei Standards waren arge Defizite unter Schwartz‘ Leitung zu erkennen, die einfach nicht abgestellt werden konnten. Vorne bekam man nach teils zweistelligen Eckenwerten kaum einen vernünftigen Abschluss zustande (das Ding von Rossipal in Magdeburg war die Ausnahme),während auf der anderen Seite regelmäßig der Rückraum bei gegnerischen Ecken nahezu vollends ignoriert oder nur behäbig verteidigt wurde. Ganze sieben Gegentore nach Eckbällen (DFB-Pokal dazugerechnet) sind daher die Folge und passierten nicht ohne Grund. Schwartz hat es mit seinem Team einfach nicht geschafft, auch dieses Problem gezielt anzugehen.
Wo war die Selbstreflexion?
Des Weiteren fehlte auf den Pressekonferenzen, vor allem nach dem Spiel, die nötige Selbstreflexion. Anstatt die absolvierten Spiele richtig einzuordnen, sprich, die Leistungen anhand von konkreten Spielszenerien klar und deutlich zu kritisieren (Probleme gab und gibt es ja genug), verteidigte Alois stets sein System und war mit den meisten Vorstellungen seiner Mannschaft relativ zufrieden – trotz einigen Totalausfällen. Diese Einstellung färbte sich auch auf einige seiner Spieler ab. Denn einige Aussagen so mancher Spieler wirkten so, als wären die eigenen Leistungen kein Beinbruch – fatale Fehleinschätzungen. Nach dem Unentschieden gegen Karlsruhe war er nach einer verspielten 2:0-Führung mit dem Punkt mehr als zufrieden – nach diesem Spielverlauf absolut unverständlich.
Klare Zahlen
Letztendlich sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Mit 9 Niederlagen aus 16 Spielen ist der derzeitige Trend, verständlicherweise, zu besorgniserregend gewesen. Die hinzukommende Harmlosigkeit in der Offensive mit nur 17 eigenen geschossenen Toren untermalt diesen Negativtrend erst recht. Die Trennung war unausweichlich, auch weil der öffentliche Druck immer weiter anwuchs. Daher kommt diese keinesfalls überraschend und hatte sich schon früh in der Saison angebahnt, auch wenn man zunächst regelmäßig punkten konnte. Jetzt ist die Kogge wieder Mal auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Die alten Geister, sie sind wieder da. Die Hoffnung auf Kontinuität, zumindest auf der Trainerbank, ist wieder mal vorbei.
Es ist aus unserer Sicht die richtige Entscheidung gewesen. Sie kam sogar vielleicht etwas zu spät, aber nicht so spät, dass Hansa die Saison noch auf einem beruhigenden Tabellenplatz beenden kann.
Alles Gute und vielen Dank für deinen Einsatz bei der Kogge, Alois! Es sollte einfach nicht sein.


