Zwei Punkte verloren
Im Wildparkstadion in Karlsruhe, wo der FC Hansa am vergangenen Wochenende völlig unnötig eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben hatte und dadurch zwei wichtige Zähler verlor, waren eigentlich nur zwei Beteiligte auf Seiten der Kogge zufrieden. Der Eine ist (noch) Cheftrainer und zeigte sich sichtlich erleichtert, dass ein Punkt bei den Badenern geholt werden konnte. Kurz nach Abpfiff scherzte er schon mit den Schiris und zeigte sich sichtlich gut gelaunt. Eine unverständliche Reaktion nach solch einem Spielverlauf, aber anscheinend haben aus seiner Sicht die Körner wohl noch gereicht. Der Andere, Newcomer Jannis Lang, konnte sich mit Recht auf die Schulter klopfen und sich über einen ordentlichen Auftritt freuen.
Plötzlich Startelf
Wie schnelllebig und dynamisch der Fußball sein kann, durfte der 23-jährige hautnah am Wochenende miterleben. Nachdem Jonas David einen weiteren Rückschlag erlitt, fiel van der Werff auch noch unglücklich im Training auf die Schulter – Diagnose Anfang dieser Woche: Schultereckgelenksprengung mit unklarer Ausfallzeit. Und plötzlich wurde Jannis Lang von Schwartz innerhalb von kurzer Zeit in die erste Elf beordert. Eine gute, aber gleichzeitig auch notgedrungene Entscheidung des Trainers, ein junges Talent für diese Position zu besetzen. Zuvor absolvierte der Verteidiger bereits 12 Regionalliga-Spiele für die Amas, wo er ebenfalls durchaus auf sich aufmerksam machen konnte.
Gegen Zwickau gelang ihm am 6. Spieltag sogar ein Treffer mit einem überlegten Rechtsschuss und war an anderen Offensivaktionen direkt beteiligt. Ein weiterer Rechtsverteidiger mit ausstrahlender Torgefahr? Das wäre doch mal ein absoluter Gewinn für das Profi-Team, sofern Schwartz diese Ausrichtung überhaupt zulässt.
Unbekümmertheit
Jannis Lang könnte, gerade wegen seiner Unbekümmertheit im Profi-Bereich, für eine gesunde Dynamik innerhalb des Teams sorgen. Er wirkte in vielen Situationen alles andere als nervös und löste Pressingsituationen nicht immer mit dem langen Hafer. Seine spielerischen Fähigkeiten sind durchaus zu erkennen und schimmerten gegen den KSC schon sehr gut durch. Natürlich sah er bei der Flanke von Burnic, die schlussendlich nach einer langen Kette unglücklicher ‚Abwehraktionen‘ zum Ausgleich führte, nicht gerade souverän aus. Das darf man nicht vergessen. Jedoch war es der wesentlich einfachere Job für Hüsing bzw. Roßbach, den Ball aus dem Strafraum zu befördern. Beide Klärungsversuche der erfahrenen Innenverteidiger misslangen komplett (selten solch unglückliche Aktionen gesehen). Genau solche Situationen sind musterhafte Lehren für ihn und bringen Lang einen weiteren Schritt voran.
Das ist sein Chance
Der gebürtige Potsdamer, welcher in den Nachwuchsabteilungen von Energie Cottbus und des VfL Wolfsburg ausgebildet wurde, profitiert also aktuell vom Verletzungspech der Rostocker in der Verteidigung (Neidhardt, Strauß, David, van der Werff stehen alle nicht zur Verfügung) und kann diese aussichtsreiche Konstellation als Sprungbrett für seine sportliche Karriere nutzen. Sofern er dieses Niveau halten und so weitere Erfahrungen sammeln kann – bestenfalls gegen Schalke 04 und Paderborn -, könnte er auch für die Rückrunde zur tragenden Säule heranwachsen. Die nächsten zwei Monate werden zeigen, wo die Reise hingehen wird. Es ist eine Riesenchance für ihn, die er bestmöglich nutzen sollte. Das Bühnenlicht ist nun auf ihn gerichtet. Nun kann er zeigen, was er draufhat, auch weil seine nächste Möglichkeit alsbald kommen wird. Höchstwahrscheinlich schon gegen die Königsblauen am Sonntag!
Wir sind gespannt!


