Der Konkurrenzkampf nimmt Fahrt auf
Nico Neidhart blieb nach einem harten Einsteigen von Roßbach kurz am Boden und hielt sich den Knöchel. Mit schmerzverzerrtem Gesicht stand er anschließend wieder auf und humpelte für einen Moment noch ein wenig, ehe ‚Helmut‘ ihm einen entschuldigenden Klaps auf den Rücken gab und die Trainingseinheit anschließend weiter fortgesetzt werden konnte.
Es war ein normaler Zweikampf, nichts Dramatisches und völlig im Rahmen. Die Szene steht jedoch sinnbildlich dafür, dass der Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft langsam an Fahrt aufnimmt und sich dieser auch auf die Intensität und die Dynamik in den einzelnen Einheiten bemerkbar macht – ein gutes Zeichen. Und das liegt auch ganz besonders an unseren kürzlich hinzugekommenen Neuzugängen, die das Mannschaftsgefüge logischerweise erweitern, aber auch in gewisser Hinsicht neu formieren. Insbesondere Neidhart hat nicht schlecht gestaunt, was für ein Kaventsmann heute mit ins Training eingestiegen ist.
Tschechische Wucht setzt Neidhart unter Druck
Der neue tschechische Rechtsverteidiger, Jan Mejdr, kommt von Meister und Pokalsieger Sparta Prag und bringt mit seinen 29 Jahren nicht nur ordentlich Erfahrung mit ins Team, sondern auch eine unheimlich physische Wucht (Hulk-Vergleiche sind gern erwünscht). Mejdr hat die bisherige Vorbereitung in Prag komplett absolviert und geht dementsprechend mit einem enorm hohen Fitnesslevel bei der Kogge an den Start. Bei seiner ersten Auslandsstation könnte der 1,85 Meter große Rechtsverteidiger Neidhart in naher Zukunft auf seiner angestammten Position verdrängen – vielleicht sogar schon gleich am Sonntag gegen die Hertha, wo Hansa über die Zweikampfhärte kommen muss. Der gebürtige Flensburger muss sich also in dieser Saison enorm strecken, wenn er seinen bisherigen Platz in der Startelf nicht verlieren möchte. Die dazu auffällige Schnelligkeit des Tschechen machen es ihm auf jeden Fall nicht leichter.

Neuer Stürmer aus dem Kosovo
Auch im Sturm hat sich mittlerweile etwas getan. Mit einer Größe von 1,90 Metern hat sich Hansa dabei einen echten Hünen geangelt, wobei er doch weitaus schmächtiger ausfällt als sein tschechischer Teamkollege. Albin Berisha kommt mit reichlich internationaler Erfahrung vom rumänischen Erstligisten Petrolul Ploiesti, der finanziell ziemlich angeschlagen zu sein scheint. Eigentlich hatte der gebürtige Kosovare dort noch bis 2027 Vertrag, doch der rumänische Meister benötigt händeringend Einnahmen. Somit sind nun auch unsere einzigen Sturmspitzen, Krohn und Gudjohnsen, nicht mehr alleine auf ihrer Position. Für ‚Glubschi‘, der vor etwa zwei Wochen sein Profidebüt feiern durfte und in den bisherigen wirklich keinen schlechten Job machte, heißt es nun: Dranbleiben und genauso viel Gas geben wie in den bisherigen Spielen – vielleicht noch mit ein paar Prozenten mehr auf dem Tacho.

Verdammt schwer wird aus meiner Sicht derweil für den Isländer Gudjohnsen, der nach seiner Verletzungspause zwar Fortschritte macht, aber weiterhin in einigen Aktionen etwas träge wirkt. Da aller Voraussicht nach noch eine weitere Offensivkraft in den nächsten Tagen vorgestellt werden soll, wird er es in Zukunft schwer haben, sich durchzusetzen.
Es wird sich zeigen, ob Hansa in den nächsten Spielen wieder zu seiner Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Kasten zurückkehren kann. Fakt ist, dass wir mit Sicherheit Quantität und vor allem Qualität hinzugewonnen haben, die es dem Trainer auch ermöglicht, in der zweiten Halbzeit mehr Variation und Wucht von der Bank zu beordern. Gegen die Hertha aus Berlin am kommenden Sonntag braucht es auf jeden Fall jene besagte Wucht, sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen.


