Neuer Spieltag, neues Glück! Nach dem in Summe schon sehr enttäuschendem Saisonauftakt gegen die Zweitvertretung des VfB Stuttgart dürfen wir an diesem Samstag in die Hessische Landeshauptstadt (keiner weiß warum) zum SV Wehen Wiesbaden fahren. Neben der letzten Saison ist auch das, genau wie die Stuttgarter, ein Gegner, den man wahrscheinlich noch gut aus den langen Drittligajahren in Erinnerung hat, was unter anderem daran liegen könnte, dass der SVWW in der ewigen 3.Liga Tabelle aktuell den 1. Platz belegt. Insgesamt gab es wettbewerbsübergreifend 22 Aufeinandertreffen zwischen uns und den Süddeutschen, wobei wir mit 10 Siegen, 6 Unentschieden und 6 Niederlagen immerhin eine positive Bilanz vorzuweisen haben! Auswärts sieht das ganze leider etwas anders aus, in Wiesbaden war es uns seit 2017 nicht mehr vergönnt, als Sieger nach Hause zu fahren.
Gutes Omen (je nach Interpretationsweise) könnte sein, dass Wiesbadens Cheftrainer Nils Döring in seinen bisherigen 5 Spielen als Hauptverantwortlicher an der Seitenlinie am vergangenen Wochenende das erste Mal überhaupt einen Punktgewinn verzeichnen konnte! Die Hessen hatten nämlich, zumindest ergebnistechnisch, einen ähnlichen Saisonstart zum unseren und retteten sich in Verl spät auf ein 2:2, was auch wenig verwundert, da man bis auf Florian Stritzel und Thijmen Goppel eigentlich alle Positiverscheinungen der letzten Saison im Sommer verloren hat. Ebenfalls fehlen den Wiesbadenern verletzungsbedingt die Neuzugänge Ryan Johansson und Fatih Kaya. Auf unserer Seite kann man (Stand Donnerstag) mit fast allen planen, nur Dominik Lanius wird vermutlich weiterhin ausfallen. Benjamin Uphoff ist fraglich, ich habe ihn deshalb erstmal rausgelassen, im Endeffekt wäre es aber auch nicht überraschend, ihn auf dem Spielberichtsbogen zu sehen. Was die Jungs vom SVWW können, was nicht und wie wir meiner Meinung nach agieren sollten, darum geht’s jetzt:
Zuerst, wie immer, die Aufstellung des Gegners, die ich so erwarte:

Wiesbaden mit Ball
Der SVW verfolgt unter Nils Döring einen ganz anderen Ansatz als den, an den man sich unter Marcus Kauczinski gewöhnt hatte. Dazu gehört auch, dass sie nahezu nie aus ihrer 3-4-3 Formation ausbrechen. Im Spielaufbau steht die Dreierkette dabei breit zwischen den Strafraumkanten, der Zentrale leicht versetzt vor Stritzel. In der Regel spielt Stritzel den Ball kurz und flach auf einen der äußeren Innenverteidiger, meistens nach rechts, der dann versucht, denn Ball direkt und halbhoch nach vorne zu bringen, meistens auf den jeweiligen Außenspieler. Diese kommen dabei etwas entgegen, sollen den Ball empfangen und schnell weiter nach vorne treiben und nehmen dabei auch gerne mal den Sechser für einen Doppelpass mit. Wie erwähnt spielt man das häufiger über die rechte Seite aus, was vor allem an Thijmen Goppel liegt, der zumindest mit Ball wahrscheinlich nach wie vor Wiesbadens bester Spieler ist und offensiv für diese Position in der 3. Liga seines gleichen sucht. Grundlegend geht es also vertikal nach vorne, wobei die Wiesbadener allerdings probieren, hohe Bälle zu vermeiden und eher über schnelle Steckpässe Raumgewinne verzeichnen wollen.

Mit Bätzner und Franjic hat man auf den Positionen hinter der 9 zwei sehr gute Spielmacher, die sich gut ergänzen. Bätzner ist dabei durch sein Tempo vor allem in diesen vertikalen Momenten gut, kann auch ins 1vs1 gehen und spielt die Situationen meist recht effektiv aus. Franjic auf der anderen Seite lässt sich häufiger fallen, um sich Bälle abzuholen und das Aufbauspiel zu unterstützen. Im letzten Drittel besetzen beide den Halbraum, wollen so also für die durchstartenden, sehr schnellen Schienen eine kurze Anspielstation bilden und sind zudem wichtig für die Straf- und Rückraumbesetzung bei Flanken. Auch Tarik Gözüsirin schaltet sich als spielstarker, kreativer Achter häufiger mal mit nach vorne ein, grade in Ballbesitzphasen ist er sehr wichtig und wird häufig als Pressingventil angespielt. Mit Moritz Flotho hat man zwar einen großen Stürmer, der auch Bälle festmachen kann, allerdings ist er der Rolle als Zielspieler noch nicht komplett gewachsen, weswegen sie dieses Risiko auf Ballverluste nicht eingehen wollen und ihn selten hoch bedienen. Gegen Verl sah das noch sehr ordentlich aus, allerdings bezweifle ich, dass er gegen Gürleyen oder Pfanne in der Luft und körperlich einen ähnlich guten Stand haben wird.
Ganz generell versuchen die Hessen, durch ihre sehr offensiven Schienen das Spiel breit zu machen, den Gegner so auseinanderzuziehen und dann durch die Halbraumzehner + Gözüsirin Kapital aus den bspw. beim verschieben entstehenden Räumen zu schlagen.
Wiesbaden gegen den Ball
Auch gegen den Ball sieht man die Hessen häufig im 3-4-3. Gegen den SC Verl setzte man auf ein relativ passives Mittelfeldpressing, bei dem man naturell erst spät raufging und sonst mehr oder weniger nur recht passiv den Bewegungen des Gegners folgte, bis man sich zu 100% sicher war, den Ball gewinnen zu können. Wiesbaden zieht diese Formation, mit den jeweiligen Verschiebungen wenns tiefer wird, an und für sich übers ganze Spielfeld durch, nur nach eigener Führung gegen Verl wechselte man in ein 4-4-2, das allerdings, wie die Führung, nicht lange Bestand hatte.
So bleibt jeder der Spieler immer in seinen Räumen, was nach Ballgewinnen zwar relativ schnelles Umschaltspiel ermöglicht, den SVWW allerdings auch sehr anfällig über die Flügel macht. Anfällig für hohe Bälle sind die Wiesbadener durch ihre im Schnitt knapp 1,90 große Innenverteidigung und den guten Flankenfänger Stritzel eher nicht, dafür haben sie häufiger mal Probleme damit, ihren Rückraum zu verteidigen und stehen auch bei Standards relativ schlecht sortiert. Ihre beiden Schienen sind, wie erwähnt, häufig recht offensiv unterwegs, wodurch sich dort naturgemäß relativ viel Raum ergibt, grade auf Goppels Seite, was mit dem Ziel der Wiesbadener, kompakt gegen den Ball zu stehen, ein Stück weit kollidiert.
Hessen fressen
Jetzt dann zu den wichtigen Dingen: HANSA! Wie wir meiner Meinung nach in dieses Spiel starten sollten, seht ihr hier:

Sieht ein bisschen wild aus, habe ich aber logischerweise nicht gewürfelt. Gegen den Ball können wir uns in puncto Aufbauspiel stören einiges von Wiesbadens letztem Gegner, dem SC Verl, abgucken. Die Ostwestfalen liefen beim Aufbau den Ballempfänger doppelt an, wobei einer ihn direkt anlief und ein anderer Spieler den Raum zustellte, in den der Schienenspieler zurückrücken sollte. Dadurch zwang man Wiesbaden häufig zu Klärungsaktionen und dominierte das Spiel über weite Strecken, eben auch weil man dadurch Goppel sehr selten in Szene setzen konnte. Dafür ist diese Doppelspitze gedacht, die neben Tempo vor allem auch aggressiv anlaufen kann und damit die Innenverteidiger stören kann. Mit Lebeau auf der linken Seite, als Gegenspieler zu Goppel, hat man auch da einen sehr ballhungrigen Spieler, der Wiesbadens größte Gefahrenquelle gut im Griff haben sollte. Für die daraus resultierenden Bälle hat man mit Pfanne und, etwas tiefer, Gürleyen sehr gute Gegenspieler, gegen die Moritz Flotho in direkten Duellen einen sehr schweren Stand haben sollte, grade in der Luft. Auf der rechten Seite fehlte es mir etwas an Tempo, was ich versucht habe, durch Gebuhr zu kompensieren. Dieser hatte zwar keine sonderlich starke Vorbereitung, ist aber prinzipiell ein guter Fit für diese Position, sowohl mit als auch gegen den Ball. Dazu bietet sich mit ihm die Möglichkeit, mit Ball in eine Viererkette zu verschieben und damit Rossipal mehr Vorstöße nach vorne zu ermöglichen.
Mit Ball wird es vor allem wichtig, Wiesbadens defensiv-schwache Schienenspieler auszunutzen. Dazu ist es wichtig, das Spiel breit zu halten. Auf der einen Seite haben wir dafür, wie erwähnt, Rossipal und auf der einen Seite entweder Fröling oder Harenbrock/Lebeau, je nachdem, wer gerade rausrückt. Generell lässt sich mit dieser Offensive eine sehr gute Positionsrotation durchziehen, die durch eine Mischung aus Tempo, Spielintelligenz und guter Technik dazu in der Lage sein sollte, die vorhin angesprochenen Räume hinter der Wiesbadener Kette auszunutzen. Ziel sind dementsprechend keine Flügelläufe, dafür fehlt auch der Fixpunkt in der Mitte. Geplant ist eher, von außen in den Strafraum einzudringen oder sie über die Flügel zu überspielen und dann aus der Unordnung Chancen zu kreieren. Von hinten werden wir viel Zeit für den Spielaufbau haben, weshalb ich mich auch dazu entschieden habe, endlich Benno Dietze eine Chance zu geben. Seit mittlerweile 2 Jahren ist er ein Fels in der Brandung für die Zweite Mannschaft und überragt in jedem Spiel, so auch in der Vorbereitung, die er ja mit den Profis absolvierte. Er fällt immer wieder mit einer extremen Ballsicherheit und überragender Übersicht auf, die es definitiv brauchen wird, um gegen das tiefe Mittelfeldpressing der Wiesbadener irgendwas aus eigenem Ballbesitz zu schaffen.


