Ein Knoten, der immer fester wird
Es soll einfach (noch) nicht sein für Hansa in dieser Saison. Während die völlig neu aufgestellte Mannschaft seit etwas mehr als 450 Ligaspielminuten versucht, endlich drei sehnlichst erwartete Punkte einzufahren, um den vielzitierten Knoten zu lösen, scheint dieser aktuell nur noch mit jeder weiteren Partie immer fester zu werden. Zumindest ist das der Eindruck, den man derzeit im Stadion oder vor den TV-Geräten bekommt. Das Team macht und tut, läuft die Linien rauf und runter, doch der Ball will bisher einfach nicht wirklich über die Linie. Denn: Bis auf die Auswärtspartie bei der Viktoria, waren die Hanseaten stets über weite Strecken die tonangebende Mannschaft. Doch insbesondere die grauenhafte Torchancenverwertung macht momentan so gut wie alles zunichte. Und der Gegner weiß das für sich eiskalt zu nutzen.
Gegentreffer zum ungünstigsten Zeitpunkt
Auch gegen die Waldhöfer war (mal wieder) wesentlich mehr drin. Allein der auffällige Haugen, der zuvor gegen Kühlungsborn im Landespokal einen hervorragenden Einstand feierte und gleich vier Mal netzte, hatte in der ersten Halbzeit zwei Mal die Führung vor den Augen – erst mit dem Schlappen, dann mit dem Kopf. Und so läuft das eigentlich schon nahezu die ganze Zeit in der noch jungen Saison: Die teilweise klasse herausgespielten Angriffe, die zumeist von unserer französischen Kreativzentrale initiiert werden, versieben reihenweise. Und hinten passt man das eine oder andere Mal nicht auf und plötzlich steht die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand oder kassiert, wie gegen die jungen Dortmunder, einen äußerst schmerzhaften Ausgleichstreffer.
Gegentreffer, die so nie passieren dürften. Gegentreffer, die zu Zeitpunkten fallen, an denen das Spiel zumeist schon zugunsten der Kogge hätte entschieden sein müssen. Kurzum: Es ist einfach zum Mäusemelken!
Gegner sind eiskalt
Und dann kommt noch ein Abend dazu, an dem eigentlich gar nichts ging und man noch 90 Minuten hätte weiterspielen können, ohne selber ein eigenes Tor auf die Anzeigetafel zu bekommen. Gegen Viktoria Köln konnte man sehr schön sehen, was passiert, wenn die Mannschaft schon sehr früh einem Rückstand hinterlaufen muss: Sie hält anschließend gut mit, ohne jedoch wirklich zwingend aus dem Spiel heraus gefährlich zu werden. Doch mit einem weiteren, schweren Patzer war der lauwarme Ofen endgültig aus. Also wirklich komplett aus. Verunsicherung und Planlosigkeit setzte ein – und war für die eiskalten Kölner sehr effektiv!
Die Abwehr der Blauen leistete sich dadurch den nächsten Fauxpas, weshalb es plötzlich 0:3 stand. Und keiner wusste so recht, warum, wieso und weshalb man aus dem Sportpark Höhenberg geschossen wurde. Da half auch keine Ansage von Rapper Marteria im Innenraum. Alle Spieler wirkten nach der Klatsche irgendwie konsterniert und sogar ein bisschen geschockt. Allen voran unser neuer Kapitän Franz Pfanne, der vor dem Mikro um Worte ring und sich nach seiner bitteren Pille vor dem 0:2 am liebsten in jenem Moment vergraben hätte. Die Kappe setzte er sich dennoch auf.
Der Ostkracher als Wegweiser für den weiteren Saisonverlauf
Trotzdem wirkt die Mannschaft aus meiner Sicht intakt. Sie lässt sich weiterhin nicht unterkriegen und spielt nach Rückständen weiterhin munter nach vorne – auch wenn dies manchmal etwas wild wirkt. Wenn nur eines der akuten Großbaustellen, nämlich die mangelhafte Chancenverwertung und die Schlampigkeiten vor sowie im eigenen Strafraum, in naher Zukunft behoben wird, wird es auch mal wieder mit einem Ligasieg klappen. Der letzte war Anfang April diesen Jahres. Es wird also Zeit! Am besten schon im Ostkracher gegen Dynamo Dresden, wo ein Sieg mehr denn je die Mannschaft beflügeln und noch ganz entscheidend für den weiteren Saisonverlauf sein könnte.


