Anker Jonas David
Wie kommt die Kogge aus der Länderspielpause? Nachdem man in Magdeburg überaus glücklich drei Punkte einfahren konnte und den Herthanern zuvor bereits einen Punkt abgeknöpft hatte, scheint man sich, zumindest punktetechnisch, allmählich zu stabilisieren. Allen voran Jonas David entwickelt sich in der Innenverteidigung nach und nach zum Leader und Ankerpunkt. Der 23-jährige Leihspieler vom HSV kann seine spielerischen Fähigkeiten nach anfänglichen Schwierigkeiten auf dem Platz nach Umstellung auf 4er-Kette scheinbar vollends entfalten. Gegen die Gäste von der Reeperbahn wird seine Präsenz wichtiger denn je werden. Seine kreativen und ansehnlichen Spiellösungen sind gefragt und werden dringen benötigt, um für die nötige(n) Entlastung(en) zu sorgen!
Urplötzliche Kreativität auf dem Platz
Stichwort Ansehnlichkeit: Dass Hansa auch mal schön spielen kann, zeigten sie in den vergangenen beiden Heimspielen pünktlich gegen die Paulianer. Mit dieser Spielweise hatte damals keiner so wirklich gerechnet. Doch die Brisanz dieser Begegnung scheint sich vor heimischer Kulisse vor allem auf unsere Mannschaft in der Vergangenheit zu übertragen. Insbesondere der Angriff und das daraus resultierende Fallrückzieher-Tor von John Verhoek stehen dabei sinnbildlich für diese kreative Explosion. Auch im Heimduell zuvor wurde das goldene Tor von Nico Neidhart durch eine klasse Kombination durch das halbe Mittelfeld glänzend vorbereitet (ich weiß bis heute nicht, wie der Ball von Nico aus so einem Winkel den Weg ins Tor finden konnte).
In den vergangenen beiden Saisons war der Kader für so eine dominante und schön anzusehende Spielweise eigentlich nicht ausgelegt. Und trotzdem schaffte man es, die Hamburger schwindelig zu spielen. Jetzt sieht es aktuell unter Alois Schwartz eher andersherum aus. Der Kader hätte in der Theorie das Potenzial dafür, doch der zum Teil bolzartige Spielstil lässt viele kreative Ideen sofort im Keim ersticken. Aber vielleicht gibt es ja auch dieses Mal eine unerwartete Leistungsexplosion. An Support wird es auf jeden Fall nicht mangeln.
Psychologisches Labor Magdeburg
Vor allem in den letzten Spielen konnte man sich das Selbstvertrauen wieder ein wenig zurückerobern. Auch wenn das Spiel gegen Magdeburg keinesfalls berauschend war und man mit Mühe und Not nur ein Gegentor kassierte (Grüße gehen raus an unsere Krake), könnte genau dieser Aspekt zum Vorteil werden. Denn, wenn man als Mannschaft solch ein Spiel gewinnt, wo es schon nach drei Minuten auf der anderen Seite klingelt, man selber anschließend nicht viel zustande bringt, etliche Riesenchancen des Gegners über sich ergehen lässt und am Ende trotzdem als Sieger dasteht, kann dies enorme Kräfte freisetzen – im Kopf. Das Spiel hat gezeigt, dass das Matchglück, welches zu Beginn der Saison noch zu Hauf vorhanden war, nicht gänzlich verschwunden ist. Es reichen kleinste Unachtsamkeiten, die es zu nutzen gilt.
Die Kogge wird auch am Samstag in einigen Phasen leiden und hinterherlaufen müssen. Doch es werden sich auch Räume und Spielsituationen ergeben, wo unsere schnellen Leute vorne durchaus für Furore sorgen können.
Gezwungene Rotation
Alois Schwartz wird für die kommende Partie gezwungen sein zu rotieren, da der Schwede Ingelsson seine fünfte gelbe Karte beim Gastspiel in Magdeburg gesehen hat. Aus meiner Sicht bietet diese Konstellation eine erstklassige Chance frischen Wind in die Startelf zu bringen, da der Mittelfeldakteur seit Wochen, ja eigentlich seit Saisonbeginn, nahezu komplett neben der Spur steht. Vor allem seine Fehlpässe und sein zurzeit unkluges Zweikampf- und Stellungsspiel stechen leider besonders hervor. Eine Auszeit wäre, Stand jetzt, mehr als angebracht. Stattdessen könnten Perea, Güler, ja vielleicht sogar der sich ebenfalls im Formtief befindende Pröger wieder in die Startelf rücken. Eine Doppelspitze könnte dabei für mehr Dynamik sorgen und die Möglichkeiten in Strafraumnähe extrem erweitern.
Wie es auch am Ende kommen mag: Viel schlechter, als der bedenkliche Auftritt der deutschen Nationalmannschaft, kann es ja wohl am Samstag nicht werden.
Wir freuen uns auf einen heißen Tanz im Ostseestadion!


