Was ein Antritt!
Der Anpfiff ertönte im Erzgebirgsstadion. Aue hatte Anstoß und für Ryan Naderi war der Spielbeginn das Startsignal zum Sturmlauf. Wie von einer Tarantel gestochen jagte er der in die gegnerische Hälfte gepasste Kugel, zusammen mit Haugen, schnurstracks hinterher. Der später in der zweiten Halbzeit Gelb-Rot sehende Ali Loune machte mit Naderis Geschwindigkeit nach zwei Sekunden gleich mal Bekanntschaft und wurde bei diesem bulligen Antritt fast umgerannt – eine für den Spielausgang eher unbedeutende Szene. Allerdings ist diese umso bedeutender, wenn man sich die bisherigen Auftritte des 1,93 Meter Hünen anschaut und diese mit seinem Spielstil vergleicht.
Er beackert die gegnerische Seite
Gegen Aue war Naderi, trotz großer Konkurrenz innerhalb des Teams (Gürleyen, Haugen, Neidhart), der Mann des Spiels – unserer Meinung nach. Es müssen bekanntlich nicht immer Tore und Vorlagen entscheidend dafür sein, um positiv aufzufallen. Denn wenn man sich die eher unscheinbaren Statistiken mal anguckt, hat der gebürtige Sachse im Schacht ordentlich abgeräumt. Er gewann alle seiner neun Dribblings und ist zudem mit seiner Größe ein waschechter Gewinn für die Kogge, da er über 87% der geführten Luftzweikämpfe für sich entscheiden konnte. Bei langen Bällen agierte er somit perfekt als Wandspieler und konnte die Kirsche zumeist entweder festmachen oder zum Mitspieler ablegen und so die Räume verlagern. Bei einer Passquote von 75% war diese Qualität für den Betrachter deutlich zu spüren.

Chemie mit Haugen stimmt
Wenn man sich des Weiteren seine Heatmap anschaut, in der alle seine bisherigen Saisonspiele (5 = 4x in der Startelf; 1x Einwechselspieler) integriert sind, fällt besonders auf, dass er überall auf der gegnerischen Hälfte zu finden ist – als Mittelstürmer keine Selbstverständlichkeit. Oftmals bricht er auch über die Außen durch, um seine Schnelligkeit ausnutzen zu können. Für die Mannschaft ist so ein flexibler Spielertyp einfach nur goldwert – nicht nur gegen Aue. Schon gegen Ingolstadt, Unterhaching oder Dresden war der 21-jährige stets einer der positiven Lichtblicke und konnte genau mit den bereits beschriebenen Stärken überzeugen. Gegen seinen ehemaligen Jugendverein Dynamo traf er sogar ausgerechnet und ließ das Rudolf-Harbig Stadion für kurze Zeit verstummen.
Darüber hinaus harmoniert Naderi immer besser mit dem fast zeitgleich nach Rostock gewechselten Norweger Haugen, die zusammen bei Hansa aktuell die Doppelspitze bilden. Beide ergänzen sich hervorragend und machen sich zugleich auch gefährlicher und stärker, da sich Haugen mit seinem laufintensiven und physisch geprägten Spiel ebenfalls auszeichnen kann, er jedoch mehr den gegnerischen Strafraum im Fokus hat.
Noch Schwächen im Abschluss
Das Toreschießen ist also vorrangig dem Norweger überlassen, auch weil Naderi bisher noch nicht wirklich mit einem präzisen Abschluss, außer in Dresden, glänzen konnte. Die Ruhe vor dem Tor sowie ein Quäntchen mehr Glück im Fuß fehlte ihm also noch etwas. Für sein noch sehr junges Alter sieht man allerdings jetzt schon, zu was der mannschaftsdienliche und stets besonnene Offensivspieler fähig ist. Sein Talent haben wir schon in einem vorherigen Artikel etwas beleuchtet. Wir werden auf jeden Fall noch viel Freude mit ihm haben! Bereits beim Anstoß sollte man sich jedenfalls auf was gefasst machen.


