Essen ist für uns zwar kein unbekannter Gegner, ich war dann aber doch irgendwie überrascht (auch wenn es bei genauerem Nachdenken logisch ist), dass es dieses Aufeinandertreffen erst 6 Mal gab. Von eben jenen 6 Spielen konnte RWE 3 gewinnen, wir 2 und ein mal endete es mit einer Punkteteilung. Der letzte Sieg (4:0) rührt dabei, genau wie die letzte Niederlage (2:1), aus der vergangenen Saison.
In Puncto Verletztenliste hat sich leider nach wie vor nicht viel getan. Adrien Lebeau, Felix Ruschke, Lukas Wallner, Andreas Voglsammer, Christian Kinsombi, David Hummel, Dominik Lanius und Milosz Brzozwski werden uns weiterhin nicht zur Verfügung stehen. Bei Ryan Naderi bin ich dagegen etwas optimistischer, die Bewegungen gegen 60 sahen recht flüssig aus und ich würde ihn an dieser Stelle mal ganz vorsichtig mit einplanen. Genug des Vorgeplänkels, nun ab zum Sport!
Essen mit Ball
Man merkt dem Spiel der Essener definitiv an, dass sie einen recht hohen Anspruch an ihren Fußball haben. Die Identität des dominanten Ballbesitzfußballs soll immer mehr auch in der 3. Liga bei ihnen ankommen und entsprechend kann man sie schon als eine Ballbesitzmannschaft bezeichnen. Nach dieser Einordnung überrascht es wohl kaum, dass RWE meistens auf einen kontrollierten Spielaufbau setzt. Hierbei bleiben sie eigentlich in ihrer Grundformation, dem 4-2-3-1, schieben die Außenverteidiger ein bisschen höher und ziehen die Sechser etwas tiefer, was dann nachher so aussieht:

Ziel des ganzen ist es, den Gegner hoch aufrücken zu lassen, um die sonst riesige Überzahl zu verhindern, und dann die aufrückenden Ketten für einen krassen Tempowechsel zu nutzen. Ist das Essener Aufbauspiel im Grundsatz eher etwas langsamer und ruhiger, wirds bei der ersten Gelegenheit sofort vertikal. Entweder sucht man hierbei die Flügel, wo man mit Mizuta, Obuz oder Saifi (aktuell eher Bank) extrem viel Tempo hat, oder man sucht Neuverpflichtung Jannik Mause, den ich als sehr kompletten Zielspieler beschreiben würde.
Sollte der Vertikalball sich nicht anbieten, spielt man ihn entweder trotzdem, was ab und an etwas unbeholfen aussieht, oder Essen schiebt auch seine offensive 3er Reihe noch tiefer, um sich auf diesem Wege über lokale Überzahlsituationen durch die gegnerischen Ketten zu kombinieren. Am Ende läuft das alles aber meistens natürlich darauf hinaus, über die genannten Flügel schnell sehr viel Raum zu überbrücken und dafür hat man defintiv eine super Besetzung. Im letzten Drittel angekommen sucht man dann tendenziell schon nach Jannik Mause in der Mitte, allerdings ist auch der Rest der 3er Reihe jetzt nicht gerade ungefährlich. Grade Arslan und Moustier sind auch aus der Distanz eine nicht zu unterschätzende Gefahr.
Das vorhin angesprochene 4-2-3-1 halten sie dabei eigentlich nahezu über den ganzen Platz. Natürlich ist es situativ bspw. bei einer Pressingsituation auf außen mal verschoben, im großen und ganzen sieht man aber immer die gleichen Linien mit den gleichen Abständen, zumindest im Ballbesitz, was dem ganzen auch immer eine sehr ordentliche Struktur gibt, um immer eine gute Anspieloption zu haben. Das bedeutet dann auch, dass Essens Außenverteidiger häufig gar nicht so mega hoch aufrücken oder überlaufen, sondern sich eher im Rückraum entweder außen oder im Halbraum als Anspielstation anzubieten, wenn ein Angriff mal stockt. Wenn RWE den Ball in der Gefahrenzone hat, versuchen sie eigentlich immer möglichst schnell zum Abschluss zu kommen, dazu dann gleich etwas mehr.
Essen gegen den Ball
Den gegnerischen Abstoß laufen die Essener sehr intensiv an. Ahmet Arslan rückt einen nach vorne, genau so wie Tom Moustier, sodass man einen 2-3er Anlauf hat. Dahinter rücken die Außenverteidiger etwas auf und Klaus Gjasula bleibt zentral, um seine Dominanz in der Luft für hohe Bälle nach dem Anlaufen auszunutzen. Auch Rückpässe zum Torwart im Aufbau laufen sie sofort, teilweise doppelt, an. So weit so gut, doch große Erfolge hat RWE damit bisher nicht verzeichnen können. Grade gegen spielerisch stärkere Mannschaften kommt das ganze noch nicht so gut zur Geltung wie es das könnte, dazu dann nachher etwas mehr, ihre Struktur sieht jedenfalls im großen und ganzen dabei so aus:

Nun habe ich vorhin angesprochen, dass sie sehr vertikal spielen und schnell den Abschluss suchen. Je länger man den Ball im letzten Drittel hält, desto höher müssen alle aufrücken, um erstens den Ballbesitz zu halten und zweitens um irgendwie Lösungen zu finden, entweder nominell oder spielerisch, weshalb Essen wie gesagt versucht so schnell wie möglich abzudrücken, also ist auch das in gewissem Sinne eine Defensivstrategie.
Abseits davon versuchen die Essener, ein sehr intensives Gegenpressing auf den Platz zu bringen, spätestens wenn der Ball die Mittelllinie überquert rücken sie aber in ein tiefes 5-4-1 zurück, das eigentlich auch gut steht.
Essen fressen
Aufstellen würde ich uns so:

Die Essener haben eine der besten Offensiven der Liga, dafür eine, finde ich, sehr wacklige Defensive, angefangen bei Jakob Golz. Der Schlussmann hat einen Ruf als sichere Bank und auf der Linie ist er das auch, sonst aber gar nicht. Jeden Ball den er kriegt bolzt er scheinbar ziellos nach vorne, Extrembeispiel war dahingehend für mich das Spiel gegen Osnabrück. Es wird also wichtig, die Essener ordentlich strukturiert anzulaufen, damit sie zu einem Rückpass gezwungen werden, weil dieser in den letzten Spielen quasi immer einen Ballgewinn bedeutet hat, wenn auch circa auf Höhe der Mittellinie. Mit dieser Aufstellung hat man relativ schnell für jeden Essener im Aufbau einen Gegenspieler, nun muss man nur noch entsprechend intensiv anlaufen.
Die Strategie hinter dem vertikalen Spiel und dem schnellen Abschluss habe ich ja vorhin schon erwähnt, nun klappt das aber natürlich nicht immer. Ab und zu muss Essen etwas höher stehen und wenn das so ist, ist für die Ruhrpottler Gefahr im Verzug, denn besonders schnell ist ihre letzte Reihe für mein Empfinden nicht (auch wenns für mich wahrscheinlich noch reichen dürfe). Generell ist die Defensive der Rot-Weißen ab und zu sehr wild, nicht umsonst hat man bisher bereits ganze 4 Elfmeter verursacht. Das Problem der Essener lässt sich hier aus meiner Sicht sehr einfach beschreiben: sie gehen nicht in die Zweikämpfe oder haben ein furchtbares Timing. Das gilt sowohl für Umschaltsituationen als auch für ihre tiefe Formation, die zwar gut steht, aber schlecht verteidigt. Bedeutet für uns ganz konkret: wir brauchen Spieler, die im 1vs1 sehr unangenehm sind, wo ich dann Naderi und Krauß sehe. Beide sollen mehr in die Mitte ziehen, damit zusätzlich auch unsere AVs mit aufrücken können. Auch Benno Dietze dürfte hierfür super sein, auch wenn er hier eher etwas tiefer als Ballschlepper fürs Umschaltspiel angedacht ist. Kenan Fatkic habe ich über Marco Schuster gesetzt, weil er für mich besser darin ist, etwas tiefer zu bleiben und abzusichern, was gegen Essen wichtig wird, wie auch wegen seiner Spielverlagerungen. Mit Naderi und Holten hat man dazu situativ eine Doppelspitze, die für Essen in der Luft extrem schwer zu verteidigen sein dürfte, was in puncto Spieldominanz erstmal nicht schaden kann.


