Naja, ganz so entspannt wirds vermutlich nicht, aber generell liegen die Hessen sowohl uns als auch unserem Trainer. Von seinen bisherigen 3 Aufeinandertreffen mit dem SV Wehen konnte Mersad Selimbegovic alle 3 gewinnen. Auf der Verletztenliste hat sich viel getan, auf unserer Seite werden Elias Höftmann und Lukas Scherff ausfallen, vermutlich noch für den Rest der Saison und bei den Hessen fehlen mit Nico Rieble, Emanuel Taffertshofer und Nassim El Ouarti 3 Akteure. Zwischen uns und denen gab es bisher 21 Begegnungen, 9 davon gingen an Hansa und jeweils 6 an Wiesbaden und 6 endeten in einem Unentschieden. Zu Hause haben wir gegen den SVW seit 2017 nicht mehr verloren, müssen wir meinetwegen jetzt nicht morgen wieder mit anfangen.
Eigentlich kann man von Wiesbaden die gleiche Startelf erwarten wie immer, also diese:

Wiesbaden gegen den Ball
Das Spiel der Hessen basiert sehr stark auf ihrem Verhalten gegen den Ball, deshalb fange ich damit an. In der Defensive rückt der SVW in der Regel tief nach hinten. Dazu schieben die Flügelverteidiger nach hinten um eine Fünferkette zu bilden, das verbleidende Dreiermittelfeld rückt ebenfalls nach hinten, besonders der Sechser und genau so der Doppelsturm.
Klingt erstmal simpel, ist es tatsächlich auch, aber eben enorm schwer zu knacken, was auch erklärt, warum die Wiesbadener trotz Abstiegskampf die Fünftbeste Defensive haben. Den einen Grund dafür gibt es nicht, da spielt sehr viel zusammen. Rein strukturell macht dieses tiefe 5-3-2 in Verbindung mit dem sehr tiefen Mittelfeldpressing es dem Gegner sehr schwer, halbwegs organisiert ab der Mittellinie zu spielen. Die Mitte ist bei der puren Menge an Spielern logischerweise zu, wenn man nicht grade Lionel Messi im Team hat, also muss man es zwangsweise über die Außen versuchen. In diesem Fall schiebt dann ein Stürmer raus, deckt quasi den Raum um den Ballführenden, der Ballnahe Achter rückt direkt auf den Gegenspieler und der Außenverteidiger macht den Raum nach vorne zu, weswegen die Außenspieler sich nicht selten in einer 3-1 Unterzahl wiederfinden. Schön! Wiesbaden zieht dieses tiefe Mittelfeldpressing auch extrem diszipliniert durch und hat absolut kein Problem damit, dem Gegner beim Ball hin- und herschieben zuzugucken, wie jetzt gerade gegen Osnabrück zu beobachten war, wo man ja eigentlich sogar die Favoritenrolle hatte.
Neben diesen strukturellen Themen hängt das aber auch an Einzelspielern. Florian Stritzel ist laut jeder Statistik und auch vom reinen schauen her einer der besten Torhüter der Liga, zumindest auf der Linie. Von 39 xGOT, also rein von der Qualität der Schüsse her hätte er 39 Tore kassieren sollen, konnte er 4 Stück verhindern, was in dieser Statistik sehr viel ist, der zweithöchste Wert der Liga um konkret zu sein. Dass er überhaupt so relativ wenig auf den Kasten bekommt hängt dann auch viel von seinen Vorderleuten ab. Grob runtergebrochen befindet sich jeder Innenverteidiger auf einem Spektrum zwischen aggressiv und abwartend, beides hat seine Vorteile, und Wiesbaden hat daraus die perfekte Balance. Marcus Mathisen und Alexander Vukotic sind quasi genau in der Mitte dieses Spektrums, während Angha dazu tendiert, sehr früh hoch auch in sehr riskante Duelle zu gehen, die er in der Hinrunde dann auch häufig für sich entscheiden konnte. Dazu ein eher konservativerer Rechtsverteidiger wie Mockenhaupt und es war nicht einfach durch ihre Defensivstruktur durchzubrechen, grade wenn sich dazu noch der 6er fallen lässt. Insgesamt hatte der SVW immer ein gewisses Momentum, das ihnen aber sowohl vorne als auch hinten in der Rückrunde ziemlich abhanden gekommen ist. Deswegen jetzt hier noch ein kurzer Part zum Spiel mit Ball, viel gibts da nicht zu sagen.
Wiesbaden mit Ball
Wie erwähnt ist das Spiel der Wiesbadener mit dem Ball häufig nur direkt nach Ballverlusten ein Thema. Wenn sie aus ihrem angesprochenem tiefem Mittelfeldpressing den Ball gewinnen geht´s recht rabiat nach vorne. Entscheidend ist hier Thijmen Goppel. Der Niederländer holt sich die Bälle häufig tiefer, startet beim kleinsten bisschen Raum Läufe oder kombiniert sich mit Heußer, Lee oder wer auch immer grad auf der Seite ist durch. An der Grundlinie angekommen, zieht er häufig nach innen und schlägt die Flanken recht kraftvoll und meistens ungefähr auf Kopfhöhe in die Box, was dann häufig für recht chaotische Szenen sorgt. Auch abseits davon ist der Plan der Wiesbadener mehr oder weniger zusammenzufassen mit: es wird da gespielt, wo grad Platz ist. Gleiches gilt auch für den Aufbau von hinten. Dieser findet, wenig überraschend, häufig über Mathisen statt, der den Ball dann von hinten raus verteilt. Ohne jetzt hier zu krass ins Schwärmen zu kommen aber das ist ein absolut genialer Spieler und normalerweise mindestens ein Regal zu hoch für Wiesbaden. Generell war das was der SVWW mit Ball gemacht hat vor allem von Effizienz geprägt, so holte man, ähnlich wie Braunschweig aktuell, aus gefühlt jedem Ballgewinn irgendwie wenigstens eine Halbchance, aber dieses Spielglück hat die Landeshauptstädter seit dem 18. Spieltag verlassen
Hessen fressen
Aufstellen würde ich uns so

Gegen den Ball hatten die Wiesbadener über die letzten Spiele brutale Probleme gegen plötzliche Tempovorstöße, zuletzt grade gegen Osnabrücks Conteh, und genau das ist der Grund für Fröling und Perea. Beide sind schnell, Fröling hat einen guten Hieb und Perea bringt ordentlich Chaos in die verunsicherte Defensive des SVWW. Dazu wird Singh essenziell sein, um gegen Wiesbaden etwas häufiger durch ihr tiefes Mittelfeldpressing zu brechen, vor allem aufgrund seiner Übersicht. Mit hohen Bällen muss man bei dieser Defensive so oder so nicht kommen, grade wenn aber Goppel nach vorne zieht oder Angha einen seiner verrückten Sturmläufe auf den Ballführenden startet kann man den entstehenden Raum mit dem Tempovorteil zu gefährlichen Szenen machen. Dafür muss man erstmal das Pressing umspielen, was nicht einfach wird. Aus genau diesem Grund spielt auch wieder Rossipal, obwohl er grade erst zurückgekehrt ist. Er ist ballsicher und lässt sich nicht so schnell unter Druck setzen, was für die Außenspieler gegen Wiesbaden wie vorhin erwähnt besonders wichtig ist. Überspielen kann man dieses Pressing schwer, deshalb sollte man es umspielen. Das heißt konkret: Pressingfalle auf außen zuschnappen lassen und dann neben der Pressinglinie eine Überzahl schaffen, also quasi ein Ventil. Das erreicht man, indem Van der Werff sich ebenfalls weit außen aufhält und eben die ganze Mannschaft in Ballnähe verschiebt, dadurch ist der Weg nach hinten auf bspw. David immer offen, der dann die durch das Verschieben des gegnerischen Mittelfeldes geöffneten Räume hoffentlich sieht und bespielen kann. Dazu soll auch Singh sich in Ballnähe fallen lassen, was er meistens eh tut, aber dieses Mal noch etwas tiefer. Einen Abnutzungskampf gegen die Hessen verlieren wir, alleine schon physisch, aber wir haben eindeutig technisch die Oberhand gegenüber den meisten Wiesbadenern, Goppel, Mathisen und Heußer außen vor, und sollten uns deshalb auch genau darauf besinnen.
Gegen den Ball bietet die Dreierkette einem eine relativ ordentliche Abdeckung für den Doppelsturm, da ein 3vs2 immer schwierig ist, auch für Prtaijn. Am wichtigsten ist jedoch das Mittelfeld. Nicht jeder Versuch des geordneten Aufbaus wird auf Anhieb funktionieren, also muss man da in gewisser Weise Schadensregulierung betreiben (das war die Abteilung von Stromberg). Konkret bedeutet das, dass nach jedem Ballverlust im Mittelfeld Stafylidis und Vasiliadis, 2 der unangenehmsten Gegenspieler die man so haben kann, direkt in der Situation sind und eingreifen können, um den Ball zurückzuerobern und einen Re-Konter einzuleiten. Gleiches gilt mit Abstrichen auch für Strauß, je nachdem wie dieser zurückgekommen ist. Sonderlich hoch pressen sollte man nicht, Mathisen schlägt wie erwähnt so oder so einen überragenden Ball bei der ersten Gelegenheit und lässt sich ganz sicher nicht aus der Ruhe bringen, dafür sollte man darauf achten, die Abstände zueinander möglichst gering zu halten, um entweder für das Spiel mit- oder gegen den Ball direkt in den wichtigen Räumen und Positionen zu sein und den Wiesbadenern so wenige Chancen wie möglich zu geben, denn Ball irgendwie auch nur halbwegs kontrolliert richtung Goppel zu bringen.


