Lebeau fantastisch, trotz versiebter Chancen
Adrien Lebeau hielt nach dem Schlusspfiff kurz inne. Er wusste nicht so recht, wie er dieses Ergebnis
einordnen sollte. Und dennoch sah man ihm seinen Ärger über die vergebenen zwei Punkte an,
sowie auch beim Rest der Mannschaft. Allein der Neuzugang von Stade Brest hätte am Samstag
gegen die quirligen Aufsteiger aus Stuttgart sehr viel mehr als nur eine Bude machen können. Doch
daraus wurde nichts. Der mit Abstand beste Mann auf dem Platz, der zugleich als kreative
Schaltzentrale fungierte und mit teils überragenden Pässen ins letzte Drittel brillierte, scheiterte
gleich zwei Mal freistehend am überragend reagierenden Gäste-Torhüter Seimen (14‘/91‘
Spielminute). Sein gefühlvoller Schlenzer kurz nach Wiederbeginn wollte ebenfalls nicht den Weg ins
Tor finden. Am Ende sollte ‚nur‘ sein platziert geschossener Elfmeter die Fans zum Jubeln bringen.

Krohn braucht Zeit
Es sollte einfach nicht sein. Und dennoch kann man ihm in vielerlei Hinsicht keinen Vorwurf machen,
da er schlicht und ergreifend auf dem Papier und ebenso auf dem Feld kein Mittelstürmer ist,
sondern über die Außenpositionen für Gefahr sorgen soll. Er ist eben kein Torjäger, der einfach nur
den Fuß hinhalten muss. Diese Rolle lastet dafür auf unserem Jungspund im Team, der 18-jährige Tim
Krohn (Glubschi). Auch er machte ein gutes Spiel, setzte gleich in der Anfangsphase den ersten
gefährlichen Akzent, doch die Latte stellte sich der tollen Ballverarbeitung in den Weg (9‘
Spielminute). Dass er noch als junge Sturmhoffnung bei Hansa Zeit braucht, um seine neue Rolle zu
verinnerlichen, steht außer Frage. Doch seine schon vielfach angesprochene Unbekümmertheit tut
der Mannschaft gut, auch wenn es zunächst nicht für 90 Minuten reicht.
Es muss in der Offensive jetzt was passieren
Allerdings kann es so, wie es bisher läuft, nicht weitergehen. Große Sorgen bereiten mir persönlich
insbesondere die letzten 30 Minuten. Es fehlen einfach aktuell Spieler im Kader, die für die
Crunchtime nochmal die nötigen und viel zitierten Körner aufbringen und für genügend
Durchschlagskraft in der Gefahrenzone sorgen. Mit anderen Worten: die Bank ist nicht gerade
sonderlich gut für solche Szenarios besetzt, in denen Hansa liefern muss – bei allem Respekt. Das
Tempo und die Dynamik, die noch in der ersten Halbzeit vorhanden waren, gingen parallel zu den
Aus- bzw. Einwechslungen nahezu komplett flöten. Man verwaltete größtenteils nur, anstatt auf das
zweite Tor zu gehen. Natürlich kann man diese passive Konter- und Lauerstellung auch mit der
intensiven Laufleistung aus der ersten Halbzeit begründen, jedoch haben die Jungs nach dem
Gegentreffer ja gezeigt, dass da noch Energie im Tank ist (leider zu spät).
Es ist einfach nicht von der Hand zu weisen, dass der Kader genau für solche Momente zu dünn
besetzt ist. Da muss sich jetzt schleunigst etwas tun. Die so sehnlich erwarteten Offensivtransfers
blieben allerdings bisher aus. Auch weil Spielerberater es der Kogge in dieser Saison nicht gerade
leichtmachen und am Nervenkostüm ziehen. So schwierig der Markt und die Verhandlungsposition
für die Kogge aktuell jedoch sind: Die Zeit läuft allmählich davon.


