Nach einem recht heißen Auftakt- Unentschieden gegen Aue haben wir am Sonntag dann auch endlich das erste Heimspiel. Der Gegner heißt Waldhof Mannheim, die am 1. Spieltag ebenfalls mit einem Unentschieden (2:2) gegen den SC Verl starteten.
Ausfallen werden bei uns weiterhin Felix Ruschke und Ryan Naderi, fraglich ist noch Andreas Voglsammer, den ich dann dieses Mal auch im Vorbericht beim Kapitel unserer Aufstellung nicht berücksichtige, während wir mit Viktor Bergh von Djurgardens IF einen weiteren Neuzugang begrüßen dürfen, Herzlich Willkommen!
Historisch gesehen haben wir tatsächlich gar nicht so häufig gegen Mannheim gespielt, wie ich es gedacht hätte. 12 Mal traf man bisher aufeinander, 6 Mal in der 2. Liga, 6 Mal in der 3. Liga, und dabei hat man eine Bilanz, die quasi nicht ausgeglichener sein könnte. Jeweils 4 Siege auf beiden Seiten und, den Mathematikern hier könnte es aufgefallen sein, entsprechend auch 4 Unentschieden stehen dahingehend zu Buche. Das alles ist nachher gar nicht so wichtig, wichtig ist bekanntlich aufm Platz! Was der Waldhof da für Schwächen und Stärken hat und wie wir diese ausnutzen können, dazu jetzt etwas mehr:
Mit Ball
Das stereotypische Bild was man sich über die letzten Jahre im Bezug auf den Spielstil der Mannheimer aufbauen konnte stimmt so nicht mehr ganz. Der Waldhof versucht in dieser Saison schon merkbar, mehr Kontrolle in ihre Spiele zu bringen. Anfangen tut das natürlich im Spielaufbau. Hier hat man eine grundlegend recht spielstarke Defensive, die sich im Spielaufbau in eine Dreierkette wandelt. Klünter bleibt zunächst eher hinten, Voelcke rückt dafür hoch auf und der Raum zwischen den Innenverteidigern wird zunächst häufig von Rieckmann besetzt, auch wenn er häufig recht versetzt steht. In der Praxis sieht das ganze dann so aus:
Der Spielaufbau der Kurpfälzer ist dabei, strukturbedingt, sehr rechtslastig, kaum baut man das Spiel über links und erstrecht nicht durch die Mitte auf. Torwart Hawryluk spielt hierbei auch eine Rolle, vor allem aber die eines „Fail safes“, da er relativ häufig die Rückpässe aus gescheiterten Aufbauversuchen bekommt. Wie das ganze bei Neuverpflichtung Nijhus aussieht lässt sich nur spekulieren, groß etwas ändern dürfte sich dahingehend aber vermutlich nicht.
Im Aufbauspiel lässt Ferati sich sehr tief fallen und versucht immer, eine Anspieloption für Klünter (oder manchmal auch Voelke) zu bieten. Ab und zu sieht man bei den Mannheimern, dass sie sich mit einem einfachen Doppelpass dieser beiden erschreckend viel Raum erarbeiten können. Grundlegend versucht Mannheim sehr häufig, eine spielerische Lösung zu finden. Lange Bälle sind zwar natürlich nach wie vor Teil des Spiels, aber teilweise geht man bis zur Mittellinie auch recht viel Risiko ein, um den Ballbesitz zu halten. Sowohl Sechelmann als auch Karbstein, die beiden Innenverteidiger, sind hierfür Paradebeispiele. Beide fühlen sich mit Ball am Fuß sehr wohl und gehen, wenn man sie lässt, extrem weite Wege, um im letzten Drittel Überzahlsituationen zu schaffen. So findet man grade Sechelmann situativ auch mal auf dem Flügel oder plötzlich in einer Abschlussituation ~20 Meter vorm Tor. Eben dieser Sechelmann hat auch eine sehr gute Symbiose mit Felix Lohkemper, den er beispielweise in den Spielen gegen Emmen oder Verl häufiger gut in Szene setzen konnte und so 2 Tore vorbereitet hat.
Generell findet das Spiel mit Ball aber sehr lange auf dem Flügel statt, auch teilweise bis ins letzte Drittel setzt man darauf, hier einfach durch pure Überzahl Raum zu gewinnen oder zu schaffen, den dann die schnelle Offensive des Waldhofs ausnutzen soll. Die Flanken der Mannheimer sind hierbei an sich keine riesige Gefahr, dafür fehlt ihnen der verlässliche Zielspieler, das daraus resultierende Chaos jedoch schon. Egal ob Lohkemper, Okpala oder Shipnoski, alle 3 sind sehr beweglich und schnell im Antritt, was gerne mal zu Torchancen für Mannheim führt, wenn die gegnerische Defensive sie kurz aus den Augen lässt. Auch die Weitschüsse die aus den zweiten Bällen resultieren sind nicht zu unterschätzen, da man hier mit Ferati, Sechelmann oder Karbstein grundlegend immer mindestens 3 ordentliche Schützen hat die sich das auch trauen, auch wenn die Erfolgsquote natürlich relativ gering ist (Weitschüsse eben).
Mit der angesprochenen Offensivreihe ist es logisch, dass der Waldhof auch viele vertikale Elemente in seinem Spiel hat. Sobald der Ball die Mittellinie überschritten hat oder nach einem Ballgewinn im gleichen Raum suchen sie quasi andauernd nach einem Weg, ihre 3 Sprinter hinter die gegnerische Kette zu schicken. Lohkemper bewegt sich dabei vor allem in der gegnerischen Kette, immer milimeterweit weg vom Abseits, und wartet da, während Okpala und Shipnoski eher die Breite halten. Zusätzlich sind im letzten Drittel dann auch die beiden jeweiligen Außenverteidiger aktiver Bestandteil des Offensivspiels, wodurch man auf den Flügeln, wie vorhin erwähnt, sehr häufig eine Überzahlsituation hat. Hierbei wird dann Ferati wieder wichtig, der sich von da aus die Bälle gerne abholt und mit seiner Übersicht auch die kleinsten Räume in- und hinter der gegnerischen Kette sieht.
Gegen den Ball
Im Anschluss an das Spiel mit Ball und den entstehenden Wunsch nach mehr Dominanz im Spiel, steht Mannheim natürlich auch hoch. Hierbei darf man jetzt kein Überpressing erwarten, wo man 90 Minuten wie wild anläuft, sondern eher ein etwas abwartenderes Angriffspressing.
Sobald sich eine Gelegenheit bietet (verkümmerter Pass im Aufbau, technischer Fehler, zu langes warten, riskanter Pass) geht der Waldhof dafür umso stärker rauf. Ihre ganze Reihe verschiebt dann gleichzeitig nach vorne und versucht natürlich einen mega hohen Ballgewinn zu provozieren, wo die antrittsstarke Offensive definitv hilft. Sollte diese Gelegenheit sich nicht bieten, greift man meistens knapp 25/30 Meter vorm gegnerischen Tor so richtig zu, macht das Mittelfeld dicht und will den Gegner auf die Flügel zwingen.
Mit ihrer recht schnellen Defensive können sie sich diese hohe Linie grundlegend auch definitv leisten.
Nach Ballverlusten versucht man zunächst, grade bei Ballverlusten im letzten Drittel, nachzugehen und verfällt dann so ~ ab dem Mittelfeld in ein 4-5-1, hat allerdings, dazu nachher mehr, riesige Probleme mit der Zuordnung in jedem dieser Bereiche.
Mein Plan
So, jetzt dann zu uns. Aufstellen würde ich uns wie folgt:
Voglsammer habe ich wie am Anfang erwähnt erstmal nicht mit eingeplant. Auch unseren Neuzugang Viktor Bergh habe ich außen vor gelassen, könnte mir aber auch gut vorstellen, dass er gegen Mannheim sein Debüt gibt.
Grundlegend basiert mein Plan darauf, Mannheim nicht dominieren zu lassen. Dafür ist es enorm wichtig, vorne gut anzulaufen, wofür grade Paul Stock in Normalform sehr wichtig sein dürfte.
Da das Spiel der Kurpfälzer wie erwähnt sehr rechtslastig im Aufbau ist, brauchen wir Maximilian Krauß auf Links, da alle anderen Optionen mit dem Tempo von Klünter und Okpala schlichtweg überfordert sein dürften. Dazu denke ich, dass Krauß besser dafür ist, auf Links die Breite zu halten als bspw. Neidhart, damit wir uns nicht zu stark auf eine Seite fokussieren und variabler sein können als es jetzt gegen Aue der Fall war.
Auch die zweite Reihe im Pressing ist natürlich sehr wichtig, vor allem auch, um nicht plötzlich den Raum für Lange Bälle aufzumachen. Hierbei halte ich die Kombination aus Schuster-Fatkic als Doppelbesetzung für am besten im Stellungsspiel und auch dafür am besten geeignet, um Ferati so halbwegs einfangen zu können. Nach Ballgewinnen im Mittelfeld halte ich die beiden auch für wichtig, um das Umschaltspiel einzuleiten, denn wie vorhin schonmal gezeigt, stehen beide Innenverteidiger im Aufbau sehr weit auseinander oder teilweise extrem weit vorne, was Mannheim sehr häufig riesige Probleme bereitet. Dafür braucht man dann natürlich auch im letzten Drittel Spieler, die das ausnutzen können und da finde ich Lebeau und Hummel am besten für. Hummel, weil er einen echt guten Instinkt dafür hat, wann er wo sein muss und Lebeau, weil er die ab und zu absurd großen Räume der Mannheimer wahrscheinlich mit am besten bespielen kann.
In der Defensive braucht es, so einfach das klingen mag, vor allem Ruhe mit und gegen den Ball. Die schnelle Offensive der Kurpfälzer fällt logischerweise auch entsprechend einfach, weswegen ich mich hier gegen Wallner entschieden habe, der ja doch ab und zu mal sehr riskante Zweikämpfe führt, und auch Gürleyen außen vor gelassen habe. Das Thema „Tempo“ ist hier natürlich ein Problem, nun kann man viel über Stellungsspiel wett machen, aber natürlich nicht alles, weswegen ich für dieses Spiel vorschlagen würde, Mejdr meistens etwas weiter hinten zu lassen, um das wenigstens teilweise zu kompensieren. Mit Ball ist auch hier Dietze wahrscheinlich am besten darin sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, aber auch Pfanne und Carstens sind jetzt keine chronisch panischen Spieler.
Sollte Lucyen Hawryluk gegen uns im Tor stehen, wovon ich nicht ausgehe, würde ich zusätzlich auch immer Abschlüsse aus der zweiten Reihe in Betracht ziehen, da er ein sehr unsicheres Stellungsspiel hat und häufig Bälle klatschen lässt, die er eigentlich fangen sollte, quasi als zusätzliche Option auf gefährliche Szenen.
Zusammengefasst möchte ich, dass wir Mannheim die rechte Seite zu machen, kurz vor der Mittellinie Ballgewinne haben und dann aus ihren Zuordnungs- und Strukturproblemen Kapital schlagen, während wir trotzdem auch den Anspruch haben, aus eigenem Ballbesitz etwas zu kreieren, was durch eben angesprochene Probleme der Mannheimer auch möglich sein dürfte.


